Hilary McKay - Vier verrückte Schwestern und ein Freund in Afrika

Originaltitel: The Exiles at Home
Kinderbuch. dtv Der TaschenbuchVerlag 1993
199 Seiten, ISBN: 3789142085

Älter sind sie geworden, die vier verrückten Schwestern Ruth, Naomi, Rachel und Phoebe; aber dass sie jetzt weniger verrückt wären, könnte man nicht behaupten. Den letzten Sommer hatten sie gemeinsam bei Oma der Großen verbracht - und dabei festgestellt, dass sie mit dieser Großmutter einen ganz erstaunlichen Glücksgriff getan hatten.

Aber nun ist Weihnachten, und jede der vier Schwestern erhält 10 Pfund. Was macht man nun damit? Für Ruth ist das gar keine Frage: sie hat vor kurzem davon gelesen, dass man schon für 10 Pfund monatlich einem Patenkind in Afrika den Schulbesuch ermöglichen kann. Auch wenn die Teilnahme an diesem Projekt erst ab 18 möglich ist, Ruth hat mit ihrem Alter ein wenig geschwindelt und die ersten 10 Pfund dann auch gleich verschickt.

Mit dem Weihnachtsgeld war das ja noch einfach. Aber jetzt? Wie kann sie monatlich so viel Geld aufbringen? Ihr Taschengeld reicht dazu jedenfalls nicht, das ist ganz klar. Aber ihr kleiner Nachbarsjunge erweist sich als Glücksgriff. Martin der Gute kommt mit seinem kleinen Bruder nicht mehr zurande; Ruth hat durch ihre drei Schwestern schon genug Übung darin, ein Kleinkind ruhig zu stellen. Und wird fürs Babysitten auch noch bezahlt!

Trotzdem, auch das reicht nicht, und außerdem hat Naomi schon bald festgestellt, dass Ruth ein Geheimnis vor ihr hat. Ihre zehn Pfund retten einen weiteren Monat; dann ist wieder Überlegen angesagt. Was können sie noch machen? Gärtnerarbeiten, fällt ihnen dazu ein. Tony und Ethel sind beide schon so alt und gebrechlich, dass sie sich nicht mehr selber um ihren Garten kümmern können, und entsprechend sieht er auch aus. In ihrer erfrischenden Art krempeln die Schwestern in Windeseile nicht nur das Brachland, sondern auch das Leben des Paares um, was sie dennoch nicht von ihren Geldsorgen erlöst...

Ja, erfrischend sind sie wirklich, diese vier Schwestern, die sich so wenig um ihr Äußeres kümmern, immer ein wenig schmuddelig wirken - und auf Außenstehende bestimmt auch ein wenig verrückt. Die verrückten Einfälle, die sie zur Geldbeschaffung haben, reichen vom Banküberfall bis zur Straßenmalerei und führen dazu, dass man permanent beschäftigt ist, sich die Lachtränen aus den Augen zu wischen.

Die Freundschaft, die sie zu den alten Menschen aufbauen, bietet dann auch noch Anlass, sich Gedanken zu machen. In ganz selbstverständlicher Art haben die Schwestern nicht nur keine Scheu, sie akzeptieren diese beiden einfach so, wie sie sind, und verlangen ihnen auch einiges ab. Dass sie dabei ganz nebenbei auch anfangen, nicht nur für den fremden Jungen in Afrika, sondern auch für Menschen vor Ort Verantwortung zu übernehmen, ist wunderbar geschildert.

Wieder ein wunderbares Kinderbuch!

Hilary McKay

Hilary McKay, 1959 in Lincolnshire/Großbritannien als älteste von vier Schwestern geboren, studierte Botanik, Zoologie, Englisch, Kunstgeschichte, Psychologie und versuchte sich in verschiedenen Berufen, bevor sie anfing zu schreiben. "Vier verrückte Schwestern" wurde mit dem Guardian Children´s Fiction Award ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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