Ian McEwan - Der Tagträumer

Originaltitel: The Daydreamer
Kinderbuch. Diogenes 1995
154 Seiten, ISBN: 3257232578

In den Augen der Erwachsenen ist Peter ein schwieriges Kind. Unachtsam, in der Schule nicht besonders aufgeweckt, neigt er auch noch dazu, plötzlich völlig unsinnige Sachen zu sagen oder zu tun.

So zum Beispiel, als seine Schwester ihn eines Tages in ihrem Zimmer wiederfindet: das ganze Bett voller Puppen, sitzt er mitten darin und hält ihrer einbeinigen Puppe wütende Vorträge. Was ahnt sie denn schon, was zuvor passiert ist! Kaum war die Schwester nämlich aus dem Zimmer verschwunden gewesen, hatten sich alle Puppen, alle Kuscheltiere von ihrem angstammten Platz aus auf Peter zubewegt und ihn bedroht. Er solle sein Zimmer räumen, damit sie endlich auch ihr Recht auf ein eigenes Zimmer durchsetzen könnten, forderten sie, und kämpften mit ihm bis aufs Blut...

Eines Tages hatte Peter auch seinen Körper mit der Katze vertauscht; er war einfach in ihn hineingeschlüpft und hatte es dem größten Rivalen des Katers noch einmal so richtig gezeigt. So war es dann auch leichter zu verwinden, dass der Kater kurz darauf starb...

In die Rahmenhandlung der Familiengeschichte rund um Peter sind die einzelnen Erzählungen eingebaut, die sich wunderbar zum Vorlesen abends eignen; gerade Kinder unter 10 haben sicher ihre Freude an den phantasievollen Erlebnissen, die Peter durchzustehen hat. Außerdem ist es ein Trost zu merken: Auch andere sind mit ihren Gedanken meistens in einer Welt, in die einem niemand folgen kann.

Wer Ian McEwan kennt, wird vielleicht die schwarze Seite vermissen, das Abgründige, für das der Autor auch einst den Spitznamen Ian McAbre verpasst bekommen hatte - aber *Der Tagträumer* ist ja auch ein Kinderbuch, kein Roman für Erwachsene. Und als Kinderbuch hat es sehr viel Charme!

Ian McEwan

Ian Mc Ewan, geb. 1948 in Aldershot, verbrachte seine Kindheit in England, Singapur und Nordafrika. Nach einem Philologiestudium war er einziger Student eines "Creative Writing"-Kurses bei Malcolm Bradbury. Seine Magisterarbeit bestand aus einer Reihe von Kurzgeschichten, die später unter dem Titel "Erste Liebe, letzte Riten" veröffentlicht wurden und ihm den Somerset-Maugham-Preis einbrachten. Er lebt heute mit seiner zweiten Frau und den beiden Söhnen aus erster Ehe in Oxford und London. 1998 wurde ihm für "Amsterdam" der begehrte Booker-Preis verliehen, und im folgenden Jahr der Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Für "Abbitte" erhielt er 2001 den People´s Booker.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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