Originaltitel: First Love, Last Rites
Roman. Diogenes 1976
268 Seiten, ISBN: 3257209649

Unter anderem auf den Erzählungen, die in diesem Band zusammengefasst sind, begründet sich der Ruf Ian McEwans als "Enfant terrible" der britischen Literaturszene.
Sie handeln alle in irgendeiner Form von der Übergangszeit zwischen Kind und Erwachsenem, vom Entdecken der eigenen Sexualität und deren Umsetzung.
Wie man McEwan kennt, ist keine seiner Geschichten harmlos oder einfach nur nett und freundlich; hinter jeder verbirgt sich etwas.
So verliert der Erzähler der ersten Geschichte, "Das Hausmittel" seine Unschuld an seiner jüngeren Schwester - es mag die " wahrscheinlich jämmerlichste der kopulierenden Menschheit bekannten Kopulation gewesen sein, schloss sie doch Lügen, Betrug, Demütigung, Inzest, das Einschlafen meines Partners, meinen einer Schnake würdigen Orgasmus ein".
Das "Gespräch mit einem Schrankmenschen" beschreibt einen Jugendlichen, der von seiner Mutter lange Jahre als Kleinkind gehalten wurde, und zu diesem Zustand gerne wieder zurückmöchte.
"Erste Liebe, letzte Riten" lässt einen Sommer wieder auferstehen - einen ersten Sommer der Liebe, gemeinsam in einem Zimmer. Damals wurde noch die Matratze auf den Tisch gehoben, um Liebe zu machen - und zum Schluss wieder....
Es ist faszinierend, wie McEwan das Thema der sexuellen Abartigkeiten in seinen Erzählungen behandelt. Er scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen - ohne dabei ins pornographische zu gleiten.
Alle Geschichten stören - sie rufen Beklemmungen hervor, kratzen und sind nicht leicht verdaulich.
Genau das macht ihren Zauber aus!
Ian Mc Ewan, geb. 1948 in Aldershot, verbrachte seine Kindheit in England, Singapur und Nordafrika. Nach einem Philologiestudium war er einziger Student eines "Creative Writing"-Kurses bei Malcolm Bradbury. Seine Magisterarbeit bestand aus einer Reihe von Kurzgeschichten, die später unter dem Titel "Erste Liebe, letzte Riten" veröffentlicht wurden und ihm den Somerset-Maugham-Preis einbrachten. Er lebt heute mit seiner zweiten Frau und den beiden Söhnen aus erster Ehe in Oxford und London. 1998 wurde ihm für "Amsterdam" der begehrte Booker-Preis verliehen, und im folgenden Jahr der Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Für "Abbitte" erhielt er 2001 den People´s Booker.
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