Val McDermid - Ein kalter Strom

Originaltitel: The Last Temptation
Krimi. Knaur Verlag 2003
617 Seiten, ISBN: 3426623307

Carol Jordan ist nach wie vor ehrgeizig – und ihr nächstes Ziel auf der Karriereleiter soll ein Posten bei Europol sein. Ihr Bewerbungsgespräch verläuft gut, aber da ist ein kleiner Haken: Bevor sie zu Europol wechselt, soll sie erst als Agentin in einem schwierigen internationalen Fall mitwirken. Als Agentin? Ihr Spezialgebiet ist die Fallverknüpfung, das Sammeln und Verwerten von Informationen. Als sie aber das Bild der verstorbenen Freundin ihres Zielobjekts sieht, wird ihr klar, warum ausgerechnet sie diese Aufgabe übernehmen soll: Sie sieht ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich.

Tadeusz Radecki hat von Berlin aus ein europaweites Imperium von Drogen- und Menschenschmuggel aufgebaut, es bislang aber geschickt verstanden, keine Anhaltspunkte für seine Verwicklung zu bieten. Carol soll es nun schaffen, ihn aus der Reserve zu locken.

Eine neue Vergangenheit wird ihr angepasst, eine kriminelle Vergangenheit; mit einem geschäftlichen Anliegen soll sie Radecki kontaktieren, auf ihre Ähnlichkeit setzen und sein Vertrauen so weit gewinnen, dass er seine übliche Vorsicht vergisst und ihr wichtige Einblicke in sein Geschäftsgebahren gibt.

Es gibt für sie nur einen der ihr helfen kann, sich auf diese Rolle vorzubereiten: Tony Hill, mit dem sie in bisher zwei Fällen zusammengearbeitet hatte – beide Male die Jagd auf Serienmörder, die sie beide in Gefahr brachte. Und sie einander näher brachte – aber leider nicht nahe genug. Zwei Jahre lang hatten sie nun nicht mehr miteinander gesprochen, aber als sie ihn anruft und um Hilfe bittet, findet er sofort Zeit für sie.

In Deutschland angelangt wird Carol aber nicht nur mit ihrer deutschen Verbindung bekannt gemacht, sondern von dieser, Petra, auch mit zwei seltsamen Morden konfrontiert, die sehr nach der Tat eines Serientäters aussehen. Bislang hat noch niemand außer Petra und einer befreundeten holländischen Polizistin eine Verbindung zwischen den beiden Fällen hergestellt, doch sie hoffen auf Carol und ihre Beziehungen zu Tony, der ihnen vielleicht weiterhelfen kann...

Geschickt gemacht, mit viel Hintergrundwissen über die NS-Vergangenheit (dieser Teil ist wirklich großartig eingearbeitet!), entwickeln sich hier zwei eigentlich nicht zusammenhängende Handlungsstränge zu einem umfangreichen Krimi. Eigentlich sind es zwei Bücher in einem, die Fälle an sich haben nichts miteinander zu tun. Der Spannungsbogen passt, die Dramaturgie ist wie immer bei der Autorin gut gemacht, sie erzählt packend – und doch hat sich bei mir die echte Begeisterung nicht eingestellt.

Val McDermid

Val McDermid, geb. 1955, wuchs in einem schottischen Bergbaugebiet auf und lebt heute in Manchester. Nach Jahren als Literaturdozentin in Oxford und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen widmet sie sich heute ganz der Schriftstellerei. Ihr Thriller "Das Lied der Sirenen" wurde 1995 mit dem Golden Dagger Award für den besten Kriminalfall des Jahres ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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