Alice McDermott - Irischer Abschied

Originaltitel: Charming Billy
Roman. List Verlag 2002
243 Seiten, ISBN: 3548602169

Billy Lynch ist tot. Alle treffen sie sich auf seinem Begräbnis, die alten Freunde, Nachbarn, die unzähligen Cousins - und natürlich ist auch seine Witwe hier, Maeve, und sein bester Freund.

Und wie es so ist bei einem Begräbnis - die Leute fangen an zu reden, unterhalten sich über das Leben des Verstorbenen.

Denn etwas ist ganz schön schief gelaufen in Billys Leben - oder warum sonst wäre er am Alkohol zu Grunde gegangen?

Es war damals, kurz nach dem Krieg, als er das irische Mädchen kennengelernt hatte. Eva mußte wieder zurück nach Irland - und Billy hatte gespart, ihr Geld geschickt, damit sie früher wieder zu ihm kommen könne. Um dann die Nachricht zu erhalten, sie wäre verstorben, ganz plötzlich.

Er ist am Boden zerstört, sieht jahrelang keine andere Frau mehr an - denn in seinem Herzen gibt es nur diese eine, Eva. Maeve, seine spätere Frau, kommt häufig mit ihrem Alkoholiker-Vater in den Schuhladen, in dem er bedient. Und nach einiger Zeit heiraten die beiden auch, führen eine Ehe wie viele andere auch; sie ist zu Hause, betreut erst den Vater, nach seinem Tod immer öfter auch Billy, der dem Alkohol mehr zuspricht als gut für ihn ist.

Billy macht mehrmals einen Versuch, mit dem Trinken aufzuhören - unter anderem reist er dazu auch mit einem Priester nach Irland. Und dort will er eigentlich Evas Angehörige besuchen… und trifft Eva selbst, höchst lebendig, mit 4 Kindern….

Ich wäre sehr oft am liebsten schreiend davongelaufen.

Maeve, Billys Frau, die Dulderin, die zudem ständig Hilfe in Anspruch nehmen muß, und die alle soviel Trost in der Religion suchen - eine Frau, wohl mit einem Mann, der keine derart große Schwäche zeigt, nichts anzufangen gewußt hätte, die Leiden zu ihrem Lebensprinzip gemacht hatte.

Am klarsten hatte ich das Bild vor Augen, als sich nach dem Begräbnis alle möglichen Leute in Maeves Haus versammeln, das Gerede der Leute - für mich eine schreckliche Vorstellung.

Aber die Großelterngeneration wurde wirklich sehr lebensnah gezeichnet, mit all ihren Einstellungen, Vorstellungen, Grundsätzen.

Und nun brauche ich ein etwas fröhlicheres Buch…

Alice McDermott

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©30.06.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing