Cormac McCarthy - Die Abendröte im Westen

Originaltitel: Blood Meridian
Roman. Rowohlt Verlag 1996
375 Seiten, ISBN: 3499222876

Mit vierzehn läuft er davon - der namenlose Junge, dessen Werdegang dieses Buch schildert. Viel lässt er nicht zurück; die Mutter bei der Geburt gestorben, der Vater hatte ihn kaum wahrgenommen. Lesen, Schreiben, hatte er nicht gelernt. Wohin? Auf nach Westen. Vagabundierend gelangt er nach Texas, schließt sich einer Gruppe Desperados an, bricht mit ihnen auf zu einem Krieg gegen Mexiko, kämpft gegen Apachen, gegen Siedler - und immer brutaler werden die Mittel, derer er sich ohne Gefühlsregung bedient.

Soweit könnte man den Inhalt dieses Buches aus meiner Sicht grob zusammenfassen. Denn ich muss ehrlich gestehen: ich konnte es nicht bis zum Ende lesen. Die kühle, unbeteiligte Sprache, mit der hier Metzeleien geschildert werden, die monotone Erzählweise bewirkten, dass ich sowohl 50 Seiten vor als auch zurück blättern konnte, ohne das Gefühl zu haben, dazwischen etwas zu verpassen. Die sinnlose Gewalt, die sich immer noch mehr steigert, das Fehlen einer charakterlichen Weiterentwicklung, haben diese Lektüre für mich zu einem höchst fragwürdigen Vergnügen gemacht.

Dabei waren meine Erwartungen durchaus hoch gesteckt; schließlich ist das Buch in den USA seit Jahren ein Kultbuch, wurde es mir von Freunden wärmstens empfohlen - und die Verfilmung von "All die schönen Pferde" hatte mich auch sehr angesprochen. Dass Gewalt das Hauptthema des Romans war, war mir auch bekannt, aber nicht, dass sie ohne moralisches Gerüst präsentiert werden würde.

Vielleicht habe ich auch das Wesen des Buches nicht erkannt, mag sein - aber der Zugang blieb mir verwehrt, und ich werde mich bestimmt nicht weiter darum bemühen.

Cormac McCarthy

McCarthy wuchs in Tennessee auf, lebte lange Zeit in Texas und nun mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in New Mexico. Für seine Bücher wurde er unter anderem mit dem Faulkner Award, dem American Academy Award, dem National Book Award, dem National Book Crities Circle Award und 2007 für seinen Roman „The Road“ (dt. „Die Straße“) mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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