Armistead Maupin - Stadtgeschichten I

Originaltitel: Tales of the City
Roman. Rowohlt Verlag 1978
250 Seiten, ISBN: 3499134411

Was, du kennst die Stadtgeschichten noch nicht? Also ich habe sie schon vor Jahren gelesen - und geliebt. Du wirst sehen - du wirst genauso süchtig wie ich damals und willst sie alle lesen…


Wenn mir ein Buch schon mal so angepriesen wird, regt sich ja als erstes das gesunde Misstrauen. Aber zumindest probieren wollte ich mal, was denn nun so Besonderes sein soll an dieser Serie. Und nun? Nun ist es Sonntag, ich habe den ersten Teil der "Stadtgeschichten" ausgelesen und sitze wie auf Nadeln, weil ich heute keine Chance habe, mir den Rest der Serie zu besorgen, um weiterlesen zu können.

Was macht denn nun den Zauber dieser Stadtgeschichten aus? Worum geht es da überhaupt?

Da ist einmal Mary Ann, die nach einem Urlaub in San Francisco beschließt, nicht mehr nach Cleveland zurückzugehen. Die erste Zeit kann sie bei einer alten Schulfreundin unterkommen, die so ziemlich alle Orte in dieser Stadt kennt, an denen man Männer kennen lernen kann. Das ist ein bisschen viel für die Unschuld vom Lande, und schon bald hat sie ein Appartement für sich allein gefunden - Russian Hill, Barbary Lane.

Mrs. Madrigal, die Vermieterin, stiftet als Einstandsgeschenk einen Joint, durch die Vermittlung von Mona, einer weiteren Mieterin, findet Mary Ann auch einen Job.

Und immer wieder kreuzen sich jetzt die Wege all derer, von denen die Stadtgeschichten handeln; Mary Anns Chef, ein todkranker Mann - was außer ihm selbst niemand weiß - findet durch die Begegnung mit Anna Madrigal neuen Lebensmut, sein Schwiegersohn Beauchamp hat eine kurze Affäre mit Mary Ann, die er seiner Frau nicht wirklich verheimlicht. Schließlich entgeht er dadurch der Gefahr, dass sie seine echten Neigungen entdeckt. Dass er dann ein Verhältnis mit dem Gynäkologen seiner Frau hat, der wiederum der Exlover von Michael, einem weiteren Bewohner der Barbary Lane, ist, sei nur als pikantes Detail am Rande erwähnt.

Und so kreisen die einzelnen Protagonisten auf ihren jeweiligen Umlaufbahnen, begegnen sich da und dort, trennen sich wieder, um an unvermuteter Stelle wieder aufzutauchen.

Das ganze ist in viele kurze Kapitel von 2 - 4 Seiten unterteilt, die immer das Gefühl vermitteln "ach, eines kann ich jetzt ja noch schnell lesen". Geschrieben ist das Ganze fast ausschließlich in Dialogform, gespickt mit Anspielungen, die mittlerweile zum Teil schwer nachzuvollziehen sind.

Und jetzt warte ich voll Ungeduld darauf, Anna Madrigals Geheimnis zu lüften, Beauchamps Ehe weiter zu verfolgen und natürlich zu erfahren, was aus den anderen Bewohnern der Barbary Lane wird.

Armistead Maupin

Armistead Maupin wurde 1944 in Washington, D.C. geboren, und wuchs in Raleigh, North Carolina, auf. Nach seinem Abschluss an der University of North Carolina war er in Vietnam, bevor er 1971 als Reporter der Associated Press nach San Francisco ging. 1976 begann eine tägliche Serie im San Francisco Chronicle - aufgrund des großen Erfolges wurde die Serie überarbeitet, in Romanform gebracht; die ersten beiden Teile in Amerika als Mini-Serie bereits verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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