Martin Suter - Allmen und die Libellen

Originaltitel: Allmen und die Libellen
Krimi. Diogenes 2011
208 Seiten, ISBN: 3257067771

Gestatten, Johann Friedrich von Allmen. Privatier. Sohn. Erbe. Pleitier.

Ursprünglich war die Bedeutung des Namens "von Allmen" nur, dass der Träger des Namens aus den Bergen kam. Doch nachdem Allmens Vater zu Geld gekommen war und seinem Sohn ein sorgenfreies Luxusleben ermöglichte, verzichtete Allmen auf das "von" und schuf damit erst den Nimbus des Adeligen, der auf seinen Titel verzichtet.

Doch die guten Zeiten waren nun längst vorbei. Die edle Villa, die er einst bewohnte, ist längst verkauft; sein Name steht noch auf dem Klingelschild, weil er das Gärtnerhaus gemeinsam mit seinem einstigen Diener und Faktotum noch bewohnen darf. Er lebt vom Glanz alter Zeiten; die meisten edlen Stücke, die er einst besessen hatte, sind mittlerweile verkauft, seine Schulden nicht mehr überschaubar. Doch weil er immer noch mit alter Grandezza auftritt und das noch verbliebene Bargeld lieber in üppige Trinkgelder denn in Begleichung von Rechnungen steckt, hat er noch Kredit. Den er weidlich ausnutzt.

Doch einer seiner Gläubiger hält sich nicht an das ungeschriebene Gesetz, auf die Begleichung der Schuld geduldig zu warten. Dörig will sein Geld sofort. Und scheut vor deutlichen Warnungen nicht zurück.

Vielleicht wäre also alles anders gekommen, wenn Allmen nicht so dringend Geld gebraucht hätte. Doch er war nun mal in der Breduille. Und die nicht mehr ganz junge, dafür umso wohlhabendere Dame, die ihn mit zu sich nach Hause geschleppt hatte, besaß da ein paar unglaublich schöne Glasschalen. Also eigentlich nicht sie selbst, sondern ihr Vater, der in dieser Villa eine große Jugendstilsammlung angehäuft hatte. Allmen konnte der Versuchung nicht widerstehen - und versteckte nachts eine davon in der Hecke, um sie am nächsten Abend dann heimlich abzuholen.

Die Summe, die er beim Händler dafür erhielt, reichte zur Begleichung der ärgsten Schulden aus. Doch wie groß war sein Erstaunen, als bei seinem nächsten Besuch in der Villa die Sammlung erneut vollständig erschien! Da war doch etwas faul… und bald merkt Allmen auch, dass er hier in etwas hineingeraten ist, das nicht mit rechten Dingen zugeht…

Die Arbeit, herauszufinden, was es mit diesen Schalen auf sich hat, übernimmt natürlich sein Faktotum Carlos. Allmen selbst kann keinen Computer bedienen. Die Ideen, was nun zu tun wäre, liefert ebenfalls dieser Tausendsassa aus Guatemala, der seinen einstigen Dienstherrn zwischenzeitlich mit seinen eigenen Ersparnissen verpflegen musste.

Ach, mir fehlt der Biss und die Dringlichkeit, die die frühen Bücher Martin Suters noch besessen hatten. Hier ist es ein gepflegter, (mir) nicht sonderlich sympathischer Nichtsnutz, der zufällig in eine Sache reinstolpert, aus der er noch zufälliger (und leider auch nicht wirklich logisch, also für einen Krimileser) wieder herausfindet. Die Handlung besteht hauptsächlich aus der Beschreibung des früheren Wohlstands Allmens, oder seiner Ess- und sonstigen Gepflogenheiten, aber überzeugt hat mich das alles nicht. Sinn macht dieser Roman für mich wirklich nur als Einführung einer neuen Krimireihe, in der man hauptsächlich erzählt, wie in den hoffentlich späteren, spannenderen Bänden dann zurückgeblickt werden kann darauf, wo man einst herkam.

Es ist näääätt zu lesen, aber schon beim Zuklappen wieder vergessen.

Martin Suter

Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren. Er lebt mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Er war Werbetexter und erfolgreicher Werber, ein Beruf, den er immer wieder durch andere Schreibtätigkeiten ergänzt oder unterbrochen hat. Unter anderem für GEO-Reportagen, zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 lebt er als freier Autor, seit 1992 schreibt er die wöchentliche Kolumne "Business Class" in der Weltwoche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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