Monika Maron - Pawels Briefe

Originaltitel: Pawels Briefe
Roman. S. Fischer Verlag 1998
205 Seiten, ISBN: 3596149401

Monika Maron findet eines Tages alte Briefe und Fotos ihrer Großeltern wieder, von denen sie zwar immer wußte, daß sie da waren, deren Existenz sie aber verdrängt hatte.

Der Großvater war als Jude in Polen geboren, doch schon in jungen Jahren zum Baptismus konvertiert, wie auch seine Frau, die von der katholischen Seite stammte. Sie lebten in Berlin als Schneider, in eher ärmlichen Verhältnissen mit den 4 Kindern - doch Monikas Mutter erinnert sich an eine ausgesprochen glückliche Kindheit zurück.

Vom Naziregime wurden die Großeltern zurück nach Polen geschickt - die Großmutter hatte die Wahl, sich entweder von ihrem Mann scheiden zu lassen, oder mit ihm zu gehen. Sie starb 1942 in Polen - allein, denn Pawel mußte mittlerweile ins Ghetto.

Monika erzählt weiter von den Fragmenten ihrer Kindheit, an die sie sich noch selbst erinnern kann - und läßt vor allem ihre Mutter zu Wort kommen. Sie erzählen vom Krieg, vom Überleben -und auch vom Vergessen. An viele der Briefe, die die Mutter selbst geschrieben hat, kann sie sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, dabei ging es damals ums Überleben.

Nach dem Krieg kam die Begeisterung für den Kommunismus - und die Liebe zu Karl Maron, die sie schließlich bewog, von Neukölln nach Ostberlin zu ziehen.

Eine Entscheidung, die Monika stark in Frage stellt ..

Zu Beginn war ich etwas enttäuscht von diesem Buch. Ich hatte mir wohl einen Roman, basierend auf der alten Familiengeschichte, erwartet - und dies hier ist mehr ein dokumentarischer Bericht, eine kleine Autobiographie.

Was mir besonders gut gefallen hat, waren die unspektakulären Schilderungen des Alltags in den Kriegsjahren; die Kleinigkeiten, mit denen man sich herumschlug, und die Tatsache, daß das Leben auch in diesen schweren Zeiten trotzem Spaß machen konnte, auch als Halbjude.

Monika stellt sich in diesem Buch auch immer wieder die Frage, wie sie die Großeltern gesehen hätte, wüßte sie nicht von deren Tod, und warum es dazu kam.

Ein ganz wichtiges Stück Zeitgeschichte!

Monika Maron

Monika Maron wurde 1941 in Berlin geboren und wuchs in der DDR als Stieftochter von Karl Maron auf. 1988 zog sie nach Westdeutschland und lebt heute wieder in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Flugasche
  • Animal triste
  • Pawels Briefe
  • Bitterfelder Bogen. Ein Bericht

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