Kamala Markandaya - Nektar in einem Sieb

Originaltitel: Nectar in sieve
Roman. Volk & Welt 1954
329 Seiten, ISBN: 3293200095

Drei Schwestern werden vor Rukmani verheiratet - das heißt, dass für sie, als es endlich soweit ist, noch nicht einmal mehr ein diamantener Nasenschmuck als Aussteuer übrig ist. So folgt sie ihrem Mann Nathan auf das kleine Stück Land, das er gepachtet hat, um ihr neues Leben an seiner Seite zu beginnen.

Zwar bewirtschaftet Nathan kein eigenes Land, doch er ist fleißig, hat die Hütte, in der sie leben, mit eigenen Händen errichtet, und gemeinsam, so glauben sie, werden sie es schon schaffen, bald etwas eigenes zu besitzen.

Bald wird auch das erste Kind geboren - eine Tochter, Ira. Nur eine Tochter... und dann folgt lange Zeit gar nichts, kein weiterer Kindersegen will sich einstellen, vor allem kein Sohn.

Hinter dem Rücken ihres Mannes stattet Rukmani daher schweren Herzens Kenny einen Besuch ab - dem Engländer, den sie im Haus ihrer Eltern kennen gelernt hatte, und der sich in der Region rasch einen Ruf als guter Arzt erworben hatte.

Nun kommen sie der Reihe nach, ein Kind nach dem anderen - und wo erst noch Wohlstand war, wird nun auch das Nötige knapp. Rukmani kann nicht mehr so viel ihres Gemüses auf dem Markt verkaufen; außerdem ändern sich die Gegebenheiten im Dorf, eine Gerberei wird gebaut, die Arbeiter, die damit einhergehen, erhöhen zwar die Nachfrage, aber auch die Preise.

Dürre und Überschwemmungen tun ihr Übriges - und bald kämpft die Familie, wie so viele andere, ums nackte Überleben...

In einfachen, eindringlichen Worten, ohne Jammern und mit oft unverständlicher Schicksalsergebenheit wird das Schicksal dieser indischen Bäurin von ihr erzählt; heiter und liebevoll schildert sie die Beziehung zu ihrem Mann, ihren Kindern, den Nachbarn, die Veränderungen, die der Fortschritt mit sich bringt.

Gerade diese Unausweichlichkeit der Geschehnisse hat mich beim Lesen aber auch an vielen Stellen mit der Protagonistin hadern lassen; dieser unbedingte Wille, so viele Kinder wie möglich in die Welt setzen zu wollen, ohne sie auch ernähren zu können, das fehlende Vorausdenken; genau diese Verärgerung und Verzweiflung hat die Autorin aber auch durch Kenny vermittelt, der gekommen ist, um zu helfen, aber dennoch an der Unfähigkeit der Menschen, sich selbst zu helfen, immer wieder scheitert.

Unmittelbar nach dem Lesen war ich noch sehr zwiegespalten, was ich von dem Buch nun eigentlich halten sollte; zu einfach und ergeben erschien mir vieles, zu eindimensional die Erzählweise. Dieses so gar nicht mit dem Schicksal hadern, die Zufriedenheit, die trotz aller Daseinshärten noch durchklang, empfand ich stark so, als wollte man sagen "seht ihr, die wollen es ja gar nicht anders". Auf der anderen Seite hat mich aber die schlichte Darstellung eines ganz alltäglichen Schicksals doch auch gefangen genommen; keine uneingeschränkte Empfehlung, aber für Indien-interessierte Leser sicher interessant.

Kamala Markandaya

Kamala Markandaya wurde 1924 in Südindien geboren. Sie studierte in Madras, arbeitete als Journalistin. Seit den fünfziger Jahren schreibt sie Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden und die die Konflikte Indiens zwischen Tradition und Moderne beleuchten. Ihr erster Roman "Nektar in einem Sieb" begründete ihre literarische Karriere und gilt als der Grundstein der indo-englischen Frauenliteratur. 1990 wurde Kamala Markandaya für dieses Werk der "LiBeraturpreis" verliehen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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