Sandor Marai - Die Gräfin von Parma

Originaltitel: Vend´gjáték Bolzánóban
Roman. Piper Verlag 1940
240 Seiten, ISBN: 3492270506

Sein Ruf war ihm nach Bozen vorausgeeilt: er hatte es tatsächlich geschafft, den venezianischen Bleikammern zu entrinnen, er war tatsächlich hier, im besten Zimmer des besten Hauses am Platz - er, der alle Frauenherzen höher schlagen ließ.

Und bald schon waren sie auch da, die Frauen, beobachteten ihn durchs Schlüsselloch; ihnen folgten die Männer, die von ihm Rat erhofften in Liebesdingen. Doch was ihn wirklich interessierte, war die eine Frau, die er als einzige wirklich geliebt hatte - und mit der er immer noch eine Rechnung offen hatte...

Ich schätze Márais Bücher normalerweise sehr; auch wenn ich, wie beim *Vermächtnis der Eszter*, grundlegende Einwände gegen die Art der Frauendarstellung hatte.

Die Gräfin von Parma, wenn man dem Klappentext trauen darf, eines der bekanntesten Bücher Márais, hat mich hingegen sehr gelangweilt. Weder die Sprache noch die Handlung vermochten mich zu fesseln.

Interessant wurde erst wieder das Nachwort, in dem der Autor noch erwähnt, dass er seine Romanhandlung zwar an die Figur des Casanova angelehnt hat, sich aber bis auf den Zeitpunkt der Flucht nicht an die historisch überlieferten Tatsachen gehalten hat.

Márai ist sicherlich ein ungewöhnlicher Autor, *Die Glut* ein nachhaltig beeindruckendes Buch, aber die Gräfin kann ich leider nicht weiterempfehlen.

Sandor Marai

Sándor Márai, geboren 1900 in Kassa (heute Slowakei), gestorben 1989 in San Diego. Seine zahlreichen Romane und Tgaebücher, die wie die Werke Robert Musils und Joseph Roths heute zum Kanon der europäischen Literatur dieses Jahrhunderts gehören, in Márais Heimat Ungarn jedoch jahrzehntelang verboten waren, werden nun international wiederentdeckt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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