Originaltitel: A gyertyák csonkig égnek
Roman. Piper Verlag 1942
224 Seiten, ISBN: 3492041620


Genau 41 Jahre und 43 Tage nachdem er damals, nach der Jagd, Hals über Kopf verschwunden war, taucht Konrád wieder auf.
Der General, einsam in seinem Schloss lebend, lässt die seit dem Tod seiner Frau verschlossenen Gesellschaftsräume öffnen, alles genauso vorbereiten, wie es damals war - an jenem letzten Abend.
Kennen gelernt hatten die beiden sich als Kinder in der Kadettenanstalt - sie waren von Beginn an unzertrennlich, ein Herz und eine Seele, mehr als Geschwister oder Freunde. Nur der finanzielle Graben ist zwischen ihnen - denn der General kommt aus reichem Elternhaus, während Konráds Eltern sich völlig verausgaben, um ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen.
Auch als der General geheiratet hatte, blieb die Freundschaft unangetastet - Konrád ging im Haus ein und aus, war immer gern gesehen. Bis zu jenem Morgen auf der Jagd, da der General merkte, dass Konrád auf ihn gezielt hatte.
Nun, 41 Jahre später, will er eine Antwort erhalten auf die Fragen, die ihn seither quälen - hatte seine Frau gewusst, dass er ihn töten wollte?
Zwei Männer, die den Glanz des K&K-Reiches noch verkörpern - Aufgewachsen am Ende des 19. Jahrhunderts in einem Vielvölkerstaat, bauten sie ihre Karriere auf. Und ihre Freundschaft - denn so verschieden sie auch waren, so innig war doch auch ihre Freundschaft.
Doch dann passiert etwas - genau wird man nie wissen, was passiert ist. Und auch der General, der bei diesem Abendessen einen Monolog hält, den früheren Freund gar nicht zu Wort kommen lässt, will am Ende nichts mehr von Tatsachen wissen - das ist für ihn nicht die Wahrheit, nach der er verlangt. Er weiß, dass man einen Freund, der so eng verbunden war wie sein Jugendfreund, auch dann nicht verliert, wenn Verrat und Betrug sie trennen. Sie beide, dessen sind sie sich bewusst, können erst jetzt, nachdem sie miteinander gesprochen haben, Frieden mit sich schließen und den Tod erwarten.
Ich war sehr beeindruckt von diesem Buch - das bereits vor mehr als 50 Jahren geschrieben wurde. Sándor Márai bedient sich einer sehr poetischen Sprache, viele Formulierungen möchte man sofort übernehmen.
Was mich allerdings ein wenig gestört hat, war seine Beschreibung der Frauen. Freundschaft, so betont er mehrmals, könne es nur zwischen Männern geben. Und alles, was menschlich wäre an einer Frau, könne sie doch nur auf ihre "weibliche" Art sein.
Sándor Márai, geboren 1900 in Kassa (heute Slowakei), gestorben 1989 in San Diego. Seine zahlreichen Romane und Tgaebücher, die wie die Werke Robert Musils und Joseph Roths heute zum Kanon der europäischen Literatur dieses Jahrhunderts gehören, in Márais Heimat Ungarn jedoch jahrzehntelang verboten waren, werden nun international wiederentdeckt.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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