Thomas Mann - Doktor Faustus

Originaltitel: Doktor Faustus
Roman. S. Fischer Verlag 1947
672 Seiten, ISBN: 3596294282

Serenus Zeitbloom erzählt, im Deutschland der letzten Kriegsjahre, die Geschichte seines Jugendfreundes Adrian Leverkühn.

Dieser, von Kind auf ein Einzelgänger, hatte schon frühzeitig eine besondere Begabung für die Musik erkennen lassen. Geleitet von Kretzschmar, seinem Lehrer, unternimmt er erste Schritte zur Komposition - und entschließt sich nach seinem Abitur doch, zum Erstaunen aller, zum Studium der Theologie.

Dieses bricht er dann doch ab, um in Leipzig Musik zu studieren. Hier kommt er auch erstmals auf ganz eigenartige Weise mit den Frauen in Kontakt; Esmeralda ist ihr Name, und die zweite Begegnung mit ihr besiegelt einen Pakt, über den er erst später definitiv unterrichtet wird.

Schon während seiner Studienzeit stößt die neuartige Form seiner Kompositionen bei einigen wenigen auf großes Interesse; aber die Masse lehnt seine Musik ab.

Und dann, während seines Jahres in Italien, kommt der Teufel, um ihn über den bereits geschlossenen Pakt zu unterrichten, ihm anzukündigen, was er alles erreichen wird können - und den Preis dafür. Neben den Kopfschmerzen, die ihn immer wieder lähmen werden, ist es vor allem der Verzicht auf Liebe mit dem er für die Möglichkeit, Geniales schaffen zu können, bezahlt.

Und er schafft Geniales - wieder in Deutschland zurückgekehrt, läßt er sich in einem Bauernhof in der Nähe von München nieder, um hier ungestört komponieren zu können. Sein Ruhm wächst; und er bleibt unnahbar. Einzig ein Geigenspieler aus seinem und Serenus´ Kreis schafft es, das brüderliche "Du" zu erringen, sein Freund zu werden - bis er, von Adrian gebeten, für ihn um eine Frau zu werben, diesen verrät um selbst ihre Liebe zu erringen.

Noch ein letztes Mal glaubt Adrian, lieben zu dürfen, eine unschuldige Liebe, die ihm erlaubt scheint - sein kleiner Neffe lebt für eine kurze Weile in seinem Haus, ein Sonnenschein ohnegleichen. Doch der Teufel läßt nicht mit sich handeln….

Eigentlich eine interessante, höchst eigenwillige Geschichte - wenn sie nur nicht so langatmig beschrieben wäre…

In diesem Buch wird Musik mit Worten beschrieben, daß man meint, sie hören zu können. Schon relativ zu Beginn, als Kretzschmar seine Vorträge über Musik hält, ziehen diese Beschreibungen in den Bann.

Doch später, als von der Entwicklung der Zwölftonmusik die Rede ist, konnte ich einfach nicht mehr wirklich folgen, dazu fehlt mir das musikalische Verständnis. Hierzu noch ein Detail am Rande: Seit 1951 (dem Todesjahr Schönbergs) findet sich folgende Schlußbemerkung: "Es scheint nicht überflüssig, den Leser zu verständigen, daß die im XXII. Kapitel dargestellte Kompositionsart, Zwölfton- oder Reihentechnik genannt, in Wahrheit das geistige Eigentum eines zeitgenössischen Komponisten und Theoretikers, Arnold Schönbers, ist [..].."

Auch die theologischen Exkurse fanden nicht unbedingt mein Interesse.

Aber welche Beobachtungsgabe! Wenn Thomas Mann einen Menschen beschreibt, sieht man ihn vor sich. Und hier, man glaubt es kaum, finden sich auch durchaus humoristische Ansätze, wenn er beispielsweise über die mehr aus Passion denn aus Begabung zur Schauspielerin berufenen Clarissa sagt, sie

"liebte sehr ihren künstlerischen Beruf und ließ sich die Freude an seiner Ausübung nicht mindern durch eine gewisse Kälte des Publikums, Mäkeleien der Kritik und die freche Grausamkeit dieses und jenes Spielleiters, der ihr die Stimmung zu verderben suchte, indem er ihr aus der Kulisse "Tempo, Tempo!" zurief, wenn sie eine Soloszene mit Genuß auszuspielen im Begriffe war."


Serenus, der angebliche Verfasser dieser Künstlerbiographie, berichtet immer wieder auch vom Verlauf des Krieges in Deutschland, von den Bomben die auf die Städte fallen - und gerade in der Umständlichkeit, in der alles geschildert wurde, lernt man diesen Serenus umso klarer kennen, den verknöcherten Beamten.

Es handelt sich hier um Weltliteratur - dennoch gehört der Dr. Faustus für mich nicht unbedingt zu den Büchern, die ich ständig lesen möchte.

Thomas Mann

Paul Thomas Mann (* 6. Juni 1875 in Lübeck; † 12. August 1955 in Zürich), zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern. 1929 erhielt er für sein Werk "Die Buddenbrocks" den Nobelpreis für Literatur. Er wurde in Lübeck geboren und wohnte seit 1894 in München. 1933 verließ er Deutschland und lebte zuerst in der Schweiz am Zürichsee, dann in den USA. Später hatte er seinen Wohnsitz in Kalifornien, zuletzt wieder in der Schweiz.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©18.07.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing