Originaltitel: Villospar
Krimi. Zsolnay Verlag 1995
492 Seiten, ISBN: 3552049282


Sommerbeginn. Nur noch kurze Zeit, dann wird auch Wallander auf Urlaub gehen, seine Freundin Baiba wiedersehen - sofern in der Zwischenzeit nicht noch etwas wichtiges passiert.
Aber wie sollte es auch anders sein - gerade in der Zeit, wo die Polizei ohnehin chronisch unterbesetzt ist, wo von höherer Stelle Gerüchte durchsickern, dass zukünftig noch mehr Stellen eingespart werden sollen, passiert etwas.
Erst wird Wallander zu einem Bauern gerufen, der auf einem Rapsfeld eine junge Frau herumlaufen sieht - den ganzen Tag über schon. Als Wallander versucht, mit ihr zu reden, zündet sie sich selbst und das Rapsfeld an - verbrennt wie eine Fackel.
Das Bild lässt Wallander nicht los. Es ist zwar eindeutig Selbstmord, aber die Tatsache, dass ein so junger Mensch eine so grausame Todesart wählen kann, so viel Verzweiflung in sich hat, belastet ihn sehr.
Kurz darauf findet man einen Mann - einen sehr einflussreichen Mann, er war früher Justizminister. Und er wurde mit einer Axt erschlagen - und skalpiert.
Wie bald darauf ein Kunsthändler. Eines ist eindeutig: es handelt sich um denselben Täter. Aber wo ist die Verbindung zwischen den beiden?
Dass sie wohl auf einer falschen Fährte sind, vermuten Wallander und sein Team als die dritte Leiche gefunden wird. Diesmal keine einflussreiche Persönlichkeit, sondern ein kleiner, schmieriger Gangster - und die Serie ist noch nicht abgeschlossen....
Schon nach dem ersten Mord weiß man sowohl wer der Täter ist als auch sein Motiv, das dahintersteckt.
Ein langweiliger Krimi? Keineswegs! Denn Wallander zuzusehen, wie er vorsichtig Schritt für Schritt seine Schlussfolgerungen zieht - wie er sich irrt, dem Mörder sogar gegenübersitzt, ohne diesem auch nur im geringsten solche Gewalttaten zuzutrauen; das alles ist ausgesprochen packend geschrieben.
Zudem ist Wallander ein Ermittler, den man sehr rasch persönlich zu kennen glaubt. Ein Mann, dessen Beziehung in die Brüche ging, der ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat und ein permanent schlechtes Gewissen seiner Tochter gegenüber - kein Superheld also, sondern sehr menschlich.
Menschlich macht ihn auch sein Unvermögen, Baiba schonend darauf vorzubereiten, dass vielleicht aus dem gemeinsamen Urlaub nichts wird; seine Reaktion, dieses sich-drücken hat wohl jeder schon erlebt.
Aber obwohl wie schon erwähnt in diesem Krimi der Täter ja bekannt war, erlitt ich beim Lesen einen großen Schock, als er zum ersten Mal außerhalb seiner Morde auftauchte, als er das erstemal so richtig sichtbar wurde...
Henning Mankell, 1948 in Häjedalen geboren, ist einer der angesehensten Schriftsteller Schwedens. Er lebt als Regisseur und Autor in Maputo / Mosambik.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
©01.01.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing