Originaltitel: Stiff
Krimi. Diogenes 2003
330 Seiten, ISBN: 3257063490

Eine Routineaufgabe, mehr nicht. Nur ein bisschen das Stimmungsbarometer ablesen, sich mal umhören, ob der Unfall in einer Großfleischerei zu Unruhen in der Gewerkschaft führt, die gerade jetzt gar nicht zu gebrauchen wären. Schließlich wird gemunkelt, dass es schon in wenigen Wochen zu vorgezogenen Neuwahlen kommen sollte.
Eine Aufgabe also für Murray Whelan, den Mann an der Basis; als politischer Berater der Ministerin für Industrie und Ethnische Angelegenheiten gehört es zu seinem Job, ihr schon im Voraus Ungelegenheiten aus dem Weg zu räumen.
Ein kurzer Besuch in der Fleischerei, ein Gespräch mit ein, zwei Arbeitskollegen - mehr würde es nicht brauchen, dachte Murray. Aber es waren wohl die falschen Kollegen, mit denen er sich unterhalten hatte - denn schon rasch war ihm klar, dass an der ganzen Sache etwas oberfaul ist.
Der tote Mann in der Fleischerei war Türke; die Nachforschungen bringen Murray auch wieder zur australisch-türkischen Wohlfahrtsliga, in der sich Ayisha engagiert. Und für Ayisha mit ihren schönen dunklen Augen würde auch Murray sich nur zu gerne engagieren, aber alles, was sie derzeit von ihm will, ist Unterstützung für ihre Landsleute.
Doch zumindest entdeckt er mit ihrer Hilfe, dass es da ein kleines Problem bei den Gehaltsabrechnungen der Fleischerei geben muss: ein guter Teil der Namen auf der Hilfsarbeiterliste sind Namen von türkischen Prominenten - ein lukrativer Schwindel, wie sich schnell ausrechnen ließ. Doch diese kleinen Betrügereien bilden nur die Spitze des Eisbergs - und bald schon sieht Murray, der sich viel lieber darum kümmern würde, endlich das Dach seines Hauses zu reparieren, sich um seinen Sohn zu kümmern und sich auf den drohenden Sorgerechtsstreit mit dessen Mutter vorzubereiten, mitten drin in der Schlangengrube. Ein gefährlicher Platz...
Wahrscheinlich macht sich hier mein völliger Mangel an Kenntnissen über Aspekte politischer Basisarbeit bemerkbar, aber auch nach langem Nachdenken will mir nicht einleuchten, was der Tote in der Fleischerei für einen Einfluss auf Politik haben sollte. Wäre der ganze Krimi so furchtbar konstruiert gewesen wie die Aufhängung des Kriminalfalls an der Rahmenhandlung, ich hätte ihn garantiert nicht zu Ende gelesen.
Richtig packend und plausibel wurde diese Schnitzeljagd für mich zwar während des ganzen Buches nicht, aber zum Glück gibt es auch einen deutlich interessanteren Teil des Buches: die vielen ethnischen Gruppen, die im Laufe der Jahre nach Australien ausgewandert waren und von den politischen Parteien als Wähler umworben werden.
Dabei erzählt Maloney vor allem von den Einwanderern aus den Mittelmeerländern, die ihre Konflikte mit in die neue Heimat genommen hatten: Türken und Kurden, Italiener, Libanesen, um nur einige zu nennen.
In vielen Rezensionen wird gerade der Humor in der Krimireihe von Maloney so gepriesen; Ansätze davon habe ich zwar auch entdeckt, aber: in den seltensten Fällen stimmt dabei der Humor des Autors mit meinem überein.
Ich hätte mir den Protagonisten etwas... nun, etwas weniger dem Klischee entsprechend gewünscht. Er ist alleinerziehend, weil seine Frau in Canberra Karriere macht - ergo schafft er es kaum, den Haushalt zu organisieren, fällt ihm das Haus fast über dem Kopf zusammen, verdient er miserabel, und wenn er Ayisha begegnet, muss jedesmal auch erwähnt werden, welche Reaktionen ihr Anblick vor allem unterhalb der Gürtellinie bei ihm hervorruft.
Meiner Meinung nach hätte man dem Leser auch viele Seiten Text erspart, wenn ein Lektor rigoros Beschreibungen und Metaphern auf ein vertretbares Minimum gekürzt hätte; Sätze wie "Den Grund dafür konnte sie sich hörbar nicht in ihren wüstesten Träumen ausmalen. Sie führte uns über einen Teppich, der unter unseren Schritten sanft und zärtlich gluckste, und ließ uns in einem Eckbüro allein mit einem Schreibtisch, auf dem man einen Learjet landen konnte" sind die Regel.
Noch ein Wort zum Titel und zum Cover: beides hat in meinen Augen wenig mit dem Inhalt des Buches zu tun, und den Klappentext zu lesen kann ich auch nicht empfehlen.
Alles in allem hab ich mich beim Lesen nicht gequält, zwischendurch auch unterhalten und ein paar interessante Aspekte über Australien erfahren. Aber zu Begeisterungsstürmen reicht es nicht aus.
Shane Maloney, geboren 1953 in Hamilton im australischen Bundesstaat Victoria, leitete viele Jahre das Melbourne Comedy Festival. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Melbourne. Für seinen Roman "Künstlerpech" erhielt Maloney den begehrten australischen Ned-Kelly-Krimipreis.
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