Originaltitel: --
Erzählung(en). S. Fischer Verlag 2003
442 Seiten, ISBN: 3100488148


In meiner Lieblingsgeschichte, der ersten (Das Boot, 1968), erinnert sich ein Mann an seine Kindheit zurück, an das Boot, mit dem der Lebensunterhalt der Großfamilie bestritten wurde. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft in dem kleinen Küstenstädtchen; es wird gällisch gesprochen, Familienzusammenhalt und Tradition großgeschrieben. Auch in der Familie des Erzählers soll das Boot in die nächste Generation weitergereicht werden; aber die Töchter gehen der Reihe nach weg, heiraten junge Männer. Und der Sohn, die Hoffnung der Mutter? Als der Vater krank wird, ist er bereit, seine Sohnespflicht zu erfüllen – doch in diesem Punkt sind die Eltern sich nicht einig. Diese Pflicht hatte schon der Vater erfüllt, seine Neigungen aufgegeben – das ist etwas, das er von seinen Kindern nicht will...
Auch der Schauplatz der weiteren Erzählungen ist vorwiegend Cape Breton; und das Personal wird immer wieder von den großen Familienclans gestellt, die von den schottischen Auswanderern abstammen, und die vorwiegend als Fischer oder im Bergbau arbeiten.
MacLeod hat gerade in den frühen Geschichten auf grandiose Weise den Wechsel der Zeiten eingefangen. Es geht um Großfamilien, die großen Wert auf Zusammenhalt legen, die Tradition großschreiben – und die junge Generation, die ein eigenes Leben führen will, studieren, in die Welt gehen will.
Neben diesen Konflikten sind es aber vor allem auch die wunderbaren Beschreibungen von Landschaften, von Berufen und Berufungen, die dieses Buch wirklich lesenswert machen.
Wenn der Autor dann aber über die tiefe Verwurzelung der Clans in Land und Sprache schwadroniert, wird es teilweise zwar auf schwer verdauliche Weise pathetisch, aber insgesamt war ich von der Erzählkunst, der Lebendigkeit der Sprache von der ersten Seite an fasziniert. Normalerweise bin ich kein großer Freund von Erzählungen, ich bevorzuge die längere Form, doch bei MacLeod mache ich eine Ausnahme. In Deutschland bekannt geworden ist er mit seinem Roman (Land der Bäume) – doch das bessere Buch ist für mich eindeutig „Die Insel“. Viel Spaß beim Lesen!
Alistair MacLeod wurde 1936 in North Battleford, Saskatchewan (Kanada) geboren und wuchs inmitten einer großen Familie auf Cape Breton auf. Im Sommer schreibt er in einer Hütte am St-Lawrence-Strom, im Winter ist er Professor für Englische Literatur in Windsor, Ontario. Seine Kurzgeschichtensammlungen sind legendär. „Land der Bäume“ wurde mit dem kanadischen Trillium Award ausgezeichnet und mit dem International IMPAC Dublin Literary Award 2001.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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