Nagib Machfus - Spiegelbilder

Originaltitel: Al-Maraya
Roman. Volk & Welt 2002
315 Seiten, ISBN: 3293003060

Ursprünglich erschienen diese "Spiegelbilder" als Serie in einer Fernsehzeitschrift, bevor sie in Buchform gebracht wurden. In kurzen Abschnitten von nur wenigen Seiten erzählt Machfus hier als ungenannter Erzähler von Begegnungen; mal sind es Menschen, die er nur zufällig im Kaffeehaus trifft, dann Frauen, die er einst liebte, Studenten, Kindheitsfreunde, Professoren, Zuhälter...

Was anfangs so willkürlich und voneinander unabhängig erscheint, verwebt sich im Laufe der Zeit aber doch zu einer dichteren Geschichte; denn natürlich gibt es auch Begegnungen zwischen den Beschriebenen, tauchen ihre Namen immer wieder auf (wobei ich ehrlich gesagt eine längere Eingewöhnungszeit brauchte, um die für mich doch recht fremden Namen nicht immer wieder durcheinander zu bringen).

Auch was die geschilderte Zeit angeht hält der Autor sich nicht an ein Schema; mal sind es Begegnungen aus der Kindheit, dann ist er bei 1960 angelangt; es ist eine Herausforderung, den geschilderten Zeitraum zu erfassen (sofern er nicht angegeben wird).

Für mich wurde auch erschreckend klar, wie wenig Ahnung von der Geschichte Ägyptens im 20. Jahrhundert ich habe; schon alleine dieser Anstoß, hier mal genauer nachzulesen war es wert, Machfus´ Spiegelbilder in die Hand genommen zu haben.

Zudem ist es auch noch ein sehr schön aufgemachtes Buch; die Portraits von Saif Wanli illustrieren die verbale Darstellung der Menschen sehr anschaulich, gerade durch die Überzeichnung wird man manchmal angeschubst, im Text nach Anspielungen zu suchen.

Nun bin ich sehr neugierig auf die Romane dieses Autors geworden - und empfehle die "Spiegelbilder" allen Liebhabern von schönen Büchern weiter.

Nagib Machfus

Nagib Machfus, 1911 in Kairo geboren, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart und gilt als der eigentliche "Vater des ägyptischen Romans". Sein Lebenswerk umfasst mehr als vierzig Romane, Kurzgeschichten und Novellen. 1988 erhielt er als erster arabischer Autor den Nobelpreis für Literatur. Nagib Machfus starb am 30. August 2006 in Kairo im Alter von 94 Jahren

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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