Originaltitel: Only Children
Roman. Diogenes 1994
291 Seiten, ISBN: 325722723X

Zwei Ehepaare und deren kleine Töchter fahren zur Lehrerin der Kinder aufs Land. In ein Haus, das noch ohne Luxus wie fließendes Wasser oder Strom auskommen muss. Eines der beiden Mädchen, Mary Ann, erzählt aus ihrer kindlich-naiven Sicht, wie dieses Wochenende gelaufen ist; auch wenn die Eltern der Meinung sind, alles Wesentliche von den Kindern fernzuhalten, spüren diese die Stimmungen sehr genau auf.
So bleibt ihnen nicht verborgen, dass Lollys Vater Mary Anns Mutter Avancen macht - ein Flirt, den sie heftig erwidert. 2 Menschen leiden darunter - Lollys Mutter und Bill. Beide sind von einer beinahe krankhaften Eifersucht auf ihre leichtsinnigen, unbeschwerten Partner.
Auf der kleinen Party, die sie am letzten Abend veranstalten, eskaliert die Lage dann: die beiden Männer beginnen sich zu prügeln, nicht ohne jedoch vorher auch verbale Tiefschläge auszuteilen...
So naiv-kindlich hier auch erzählt wird - das Gesellschaftsbild, das hier gezeichnet wird, ist ausgesprochen präzise.
Ganz Amerika ist der Wirtschaftskrise anheim gefallen. Die beiden Väter stehen auf gänzlich unterschiedlichen Seiten des Systems: der eine arbeitet in der Verwaltung dafür, dass die Armen zumindest teilweise versorgt werden, während der andere in einer Werbeagentur sehr viel Geld verdient.
Doch nicht nur diese Gegensätze beherrschen das Bild; in den beiden Ehepaaren haben sich zwei einander gänzlich entgegengesetzte und doch wieder sehr ähnliche Schicksale gefunden; immer ist einer dabei, der so intensiv liebt, das er den anderen beinahe zu ersticken droht.
Wer stille, unspektakuläre Bücher mag, bei denen er auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen muss, ist hier bestimmt gut aufgehoben.
Alison Lurie, geboren 3.9.1926 in Chicago (Illinois), lebt in New York, Florida und London. Für "Affären" erhielt sie 1985 den Pulitzer Preis.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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