Tessa de Loo - Die Zwillinge

Originaltitel: The Tweeling
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 1994
478 Seiten, ISBN: 344272161X

Durch Zufall treffen sich die beiden Zwillingsschwestern Lotte und Anna als alte Frauen in einem Kurbad wieder. Sie waren nach dem Tod ihrer Eltern getrennt worden: Lotte, die damals schwächliche, kränkliche, wuchs in den Niederlanden auf; Anna wurde am Bauernhof ihres Onkels aufgenommen.

Während Lotte relativ behütet in einer lebhaften Großfamilie aufwuchs, sich ihrem Gesang widmen konnte - und dafür einen despotischen Ziehvater in Kauf nehmen mußte, wurde Anna als billige Arbeitskraft ausgenutzt.

Doch zwischen den beiden Schwestern liegt mehr als nur die getrennte Kindheit: die Kluft ist viel tiefer, ein ganzer Weltkrieg, Judenverfolgung, ein NS-Regime trennt die beiden.

Und während sich die Schwestern gegenseitig aus ihrem Leben erzählen, versucht die eine der anderen begreiflich zu machen, wie es in Deutschland überhaupt erst soweit kommen konnte.

Meine Gefühle zu diesem Buch sind etwas gespalten. Einerseits zeigt es die Geschichte einer Jugend im Dritten Reich, zeigt, wie einfach politisch uninteressierte Menschen lenkbar sind; andererseits hat mich die Verteidigungshaltung, der Eifer, die eigene Unschuld erklären zu wollen, gestört.

Anfangs habe ich mich auch an der Rahmenhandlung etwas gestoßen: ich, mit meinen Vorstellungen von Familie, kann mir ganz einfach nicht vorstellen, daß bei einem zufälligen Treffen nach einer Unzahl Jahren hauptsächlich über eine vergangene Politik die Beziehung bestimmt.

Sofern man auch nur ein wenig Interesse für die Vorkriegs- und Kriegszeit in Deutschland aufbringt, ist dieses Buch auf alle Fälle eine interessante Lektüre.

Tessa de Loo

Tessa de Loo, 1946 in den Niederlanden geboren, war nach ihrem Studium zunächst mehrere Jahre als Lehrerin tätig, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©22.05.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing