David Lodge - Neueste Paradies Nachrichten

Originaltitel: Paradise News
Roman. Diana Verlag 2002
398 Seiten, ISBN: 3453215168

Zwei Männer fallen in der Schar der Reisegesellschaft auf, die gerade von London aus Richtung Hawaii aufbrechen; Ben und sein Vater sind keine typischen Pauschalurlauber. Eigentlich sind sie überhaupt keine typischen Urlauber; ihr Anlass, ins Südseeparadies zu fliegen, hat mit Erholung auch wenig zu tun. Ben´s Tante, die er zuletzt in seiner Kindheit gesehen hat, liegt im Sterben - und wünscht sich, ihren Bruder noch einmal zu sehen.

Doch nicht nur, dass es Ben einige Überredungskunst gekostet hat, seinen Vater überhaupt ins Flugzeug zu bugsieren, er wird auch schon an seinem ersten Tag von einem Auto überfahren und landet im Krankenhaus. Für Ben beginnt eine anstrengende Zeit; er pendelt zwischen den beiden Krankenhäusern hin und her, versucht, die Angelegenheiten seiner Tante zu regeln, seiner Schwester zu verheimlichen, was mit dem Vater passiert war, sich mit der Frau zu einigen, die das Unfallauto gesteuert hatte, und nebenbei auch noch ein wenig das Paradies zu genießen, in dem er gelandet ist.

Aber auch das Schicksal der Mitreisenden wird erzählt; da gibt es einen Mann, der ebenfalls nicht Urlaub machen will, sondern eine Arbeit über den Ersatz von Religion durch Tourismus schreibt; zwei Freundinnen, die auf der Suche nach einem alltagstauglichen Traumprinzen sind; ein Flitterwochen-Pärchen, das nicht miteinander spricht, und noch einige mehr. David Lodge hat ein paar typische Urlauber-Beispiele überspitzt dargestellt, und gerade im ersten Teil sind die Schilderungen so gekonnt-boshaft, dass man sich fragt, warum man überhaupt jemals Urlaub machen wollte.

Auch wenn im Verlauf der Handlung die Schärfe aus der Satire verschwindet und ein Happy End winkt, David Lodge gelingen ein paar so wunderbar gelungene Schilderungen, dass es kaum ein Mittel gegen die Lachtränen in den Augen gibt. Das Konzept trägt zwar nicht über die gesamte Länge des Buches, aber es reicht zumindest aus, das allerdringendste Fernweh kurzfristig zu dämpfen.

Für Hawaii-Urlauber ein Muss - und herrliche Sommerlektüre.

David Lodge

David Lodge, geboren 1935 in London, war 27 Jahre als Professor für Moderne Englische Literatur an der Universität Birmingham und ein Jahr als Gastprofessor an der University of California in Berkeley tätig. Er lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Birmingham.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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