Originaltitel: Changing Places. A Tale of Two Campuses
Roman. List Verlag 1986
308 Seiten, ISBN: 3548601359


Beide waren sie eigentlich nicht die typischen Kandidaten für das Austauschprogramm der beiden Hochschulen: Morris Zapp, weil er mit seiner Reputation ohne weiteres wesentlich aufregendere Austauschangebote hätte haben können, und Philipp Swallow, weil er, der noch nichts veröffentlicht hatte, normalerweise nie ein derart hochgradiges Angebot bekommen hätte.
Das große Glückslos also für Phillip Swallow, nun am Campus in Euphoria gelandet zu sein - mit all den weiteren Annehmlichkeiten, die die Westküste Amerikas schon rein klimatisch für einen regengewöhnten Engländer zu bieten hat? In gewissem Sinne ja. Aus dem puritanischen, wohlgeordneten Betrieb in Rummidge nun in eine Welt der Miniröcke, Hasch- und Sexorgien zu fallen, lässt ihn erstmal kaum zu Atem kommen. Zumal er aus England auch einen ganz anderen Universitätsbetrieb kennt: Hier in Euphoria steht nicht der Lehrinhalt, sondern Politik und Demonstration im Vordergrund.
Dagegen zweifelt Morris Zapp anfangs, ob er hier in Rummidge überhaupt wahrgenommen wird. Keine Studenten, die wie sonst seine Tür belagern, ja: noch nicht einmal ein Lehrplan. Dass seine Unterkunft bei einem irischen Arzt noch ganz andere Beeinträchtigungen nach sich zieht, sei gar nicht erst erwähnt. Aber was ihm hier vor allem fehlt, ist eine ordentliche Zentralheizung - und so fragt er sich, ob er nicht doch besser sofort die Scheidung hätte akzeptieren sollen. Denn das war sein Deal mit seiner Frau - und der Grund, warum er dieses absurde Angebot angenommen hatte: Wenn er für ein halbes Jahr ausziehen würde, dann würde sie in dieser Zeit noch keine Schritte unternehmen.
Wie nicht anders zu erwarten, lernen die beiden Austauschprofessoren sehr rasch die zurückgelassenen Ehefrauen kennen. Und übernehmen für die Zeit ihres Aufenthalts nicht nur die jeweiligen Arbeitszimmer an der Universität...
Wer Spiel mit Klischees und Vorurteilen liebt, trockenen Humor mag und die eine oder andere Persiflage auf verschiedene Romanstile lesen will, ist mit diesem Buch goldrichtig beraten: ich habe mich von der ersten Seite weg köstlich amüsiert.
Zu lesen, wie die beiden unterschiedlichen Männer so rasch in eine ihnen fremde Rolle rutschen, wie Philip Swallow ganz überraschend zum prominenten Vertreter bei den Studentenunruhen wird, während Morris Zapp sich aufgrund der langjährigen Erfahrungen in Euphoria als Vermittler bei den nun auch in Rummidge ausbrechenden Unruhen profiliert, war für mich gerade auch dadurch so unterhaltsam, weil ich die Zeit nicht aus eigener Anschauung kenne.
Besonders angetan hatte es mir das Kapitel, das in Briefromanform verfasst war; besser kann man doch die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten, ihre Heucheleien ebenso wie den Umgangston zwischen den Ehepaaren, kaum darstellen.
Einzig die literarische Form des Drehbuchs im letzten Kapitel hatte mich anfangs gestört - bis dann der Schluss kam. Und der passt einfach wie das Tüpfelchen auf dem I - und entlässt den Leser mit einem zufriedenen Grinsen. Kurzweilige Stunden garantiert!
David Lodge, geboren 1935 in London, war 27 Jahre als Professor für Moderne Englische Literatur an der Universität Birmingham und ein Jahr als Gastprofessor an der University of California in Berkeley tätig. Er lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Birmingham.
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