David Lodge - Saubere Arbeit

Originaltitel: Nice Work
Roman. Heyne Verlag 1994
406 Seiten, ISBN: 3453071727

"Das Jahr der Industrie" - was kann man sich darunter schon vorstellen? Davon sollten Robyn Penrose und Victor Wilcox noch früh genug einen Begriff bekommen. Victor war Manager in einem Stahlunternehmen, ein Entscheidungsträger, und: er machte seine Sache gut. Robyn hingegen war an der Universität von Rummidge beschäftigt - allerdings nur mit Zeitvertrag. Und ausgerechnet sie sollte jetzt jede Woche einen ganzen Tag lang als Victors Schatten fungieren?

Unterschiedlichere Vorstellungen hätten kaum aufeinander prallen können. Während Vic im Lauf seiner Karriere kaum noch über die humanen Auswirkungen seiner Entscheidungen nachdachte, empörte sich die sozial engagierte, aber in wirtschaftlichen Belangen völlig weltfremde Robyn darüber in höchstem Maße.

In ihrem Übereifer sorgte sie dann auch dafür, dass Vics Leben ganz schön durcheinander geriet; eine Arbeitsniederlegung im Werk war ihr erster Erfolg, der ihr allerdings rasch verleidet wurde.

Und natürlich passiert auch, was passieren muss: dass zu den völlig konträren Welten von Industrie und schöngeistigem Universitätsleben dann auch noch die Gefühle kommen...

Auf den ersten fünfzig Seiten hatte ich ja schon fast befürchtet, dass die Bücher von David Lodge ihren Zauber für mich verloren hätten. Zu ausführlich waren mir die Beschreibungen hier geraten, ein wenig langatmig und schwerfällig erschien es mir. Aber dann stellte sich der erwartete Effekt doch noch ein: ich habe mich blendend unterhalten.

David Lodge besitzt die Gabe, mit trockenem Witz die kleinen Lächerlichkeiten herauszustreichen und pointiert sowohl den Universitätsbetrieb als auch den Thatertscherschen Kapitalismus aufs Korn zu nehmen. Seine Schilderungen sind einfach großartig zu lesen; sowohl die ach so freien Beziehungen in Robyns Kreisen, die dann doch nur auf die konventionellen Probleme hinauslaufen, auf die Faszination, die ein großes Einkommen dann plötzlich auch bei linken Intellektuellen hervorruft als auch die zynischen Folgen auf die guten Ergebnisse von Vics Managerqualitäten lassen sich nicht nur gut lesen, sie sind auch intelligent.

Achtung - Suchtgefahr!

David Lodge

David Lodge, geboren 1935 in London, war 27 Jahre als Professor für Moderne Englische Literatur an der Universität Birmingham und ein Jahr als Gastprofessor an der University of California in Berkeley tätig. Er lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Birmingham.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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