Doris Lessing - Das fünfte Kind

Originaltitel: The Fifth Child
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 1988
220 Seiten, ISBN: 3442720753

Harriet und David lernen sich auf einer Betriebsweihnachtsfeier kennen. Beide passen nicht so recht in ihre Zeit, in die wilden 60er - die propagierte freie Liebe entspricht nicht ihren Grundsätzen.

Sie wünschen sich etwas ganz anderes - eine große Familie, ein weitläufiges, lebendiges Haus, gefüllt mit vielen Kindern.

Gegen die Unkenrufe aus dem Familien- und Freundeskreis heiraten sie sehr rasch, kaufen ein herrliches altes Haus außerhalb Londons, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können - zumal Harriet sofort schwanger wird.

Doch es scheint zu klappen - zum ersten Weihnachtsfest erscheint die ganze Familie, Freunde, alle finden sie Platz, genießen es, sich zwanglos um den einladend großen Tisch zu versammeln. Ein voller Erfolg - und dazu kommt noch etwas finanzielle Unterstützung. Harriets Mutter hilft ihr zu Hause, denn, etwas zu schnell, ist schon das zweite Kind unterwegs.

In rascher Folge erhöht sich die Kinderzahl auf Vier - genug für den Moment, wie sie beide finden. Harriet ist erschöpft von den ständigen Schwangerschaften. Als sie dann merkt, dass sich schon wieder etwas eingenistet hat, ist ihre Reaktion zum ersten Mal nicht so freudig wie bisher.

Diesmal laugt das heranwachsende Baby sie noch mehr aus als je eines der anderen zuvor; schon nach wenigen Monaten tritt es die Mutter so fest, dass diese vor Schmerzen am liebsten geschrieen hätte.

Ein zorniges Kind, das hier geboren wird; irgendetwas ist gänzlich anders bei Ben. Er scheint vor unterdrückter Wut beinahe zu platzen, verfügt über Kräfte, die seinem Alter nicht angemessen sind, und lässt sich von niemandem bändigen. Der Familienverband droht zu zerbrechen....

Vor einigen Jahren habe ich diesen Roman schon einmal gelesen - er hat mein Interesse für diese großartige Schriftstellerin geweckt. Nun ist der Nachfolgeband hierzu erschienen, "Ben in der Welt" - und vor dem Lesen des neuen wollte ich erst das alte Buch nochmals lesen.

Ich habe mich in meiner Inhaltsbeschreibung ganz bewusst auf die Zeit vor Bens Geburt konzentriert; die heile Welt, die hier noch herrscht, konnte ich vielleicht noch vermitteln. Auch wenn sich in dieser perfekten Fassade bereits die ersten Sprünge abzuzeichnen begannen - es war eine Idylle.

Die durch Bens Auftauchen auf eine Art und Weise gestört wird, die nahezu unbegreiflich scheint. Ein Kind, das alle Aufmerksamkeit benötigt, und alleine durch sein Vorhandensein großes Unbehagen hervorzurufen im Stande ist.

Wie dieser immer schneller werdende Verfall der Familie vorangeht, welche Probleme sich durch Ben ergeben - das alles solltet ihr lieber selber lesen. Zwar ist es nicht unbedingt fröhlich stimmende Lektüre; aber ich kann es wirklich nur aus ganzem Herzen empfehlen!

Doris Lessing

Doris Lessing wurde 1919 im heutien Iran geboren, zog mit ihrer Famlie 1924 nach Rhodesien und lebt seit 1949 in England. Schon früh schrieb sie Gedichte und Erzählungen. Mit dem Roman "Afrikanische Tragödie" legte sie 1962 den Grundstock zu ihrem umfangreichen literarischen Werk. 2007 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Und wieder die Liebe
  • Das goldene Notizbuch
  • Unter der Haut
  • Das Tagebuch der Jane Sommers
  • Das fünfte Kind
  • Ben in der Welt
  • Mara und Dann
  • Die Geschichte von General Dann und Maras Tochter, von Griot und dem Schneehund
  • Alfred und Emily

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Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

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