Originaltitel: Ben, In the World
Roman. Hoffmann & Campe 2000
251 Seiten, ISBN: 3442727413

Ben, das "fünfte Kind" der Lovatts, ist mittlerweile achtzehn geworden. Sein Elternhaus hatte er schon relativ früh verlassen, um mit einer Bande von Jugendlichen herumzuziehen. Nun war er in London gelandet. Sein Erscheinungsbild hatte mit seinem Alter wenig gemein; man hätte ihn eher für einen Mittdreißiger gehalten, mit seiner gedrungenen Statur, dem kurzen Hals und der eigenartigen Kopf- und Bartbehaarung.
In London trifft er auf eine alte Frau, die versucht, ihm weiterzuhelfen. Als sie erkrankt, fühlt er sich das erste Mal in seinem Leben nützlich, weil er ein wenig für sie sorgen kann - doch dann muss sie ins Krankenhaus, und Ben steht wieder auf der Straße.
Rita, eine Prostituierte, die sich den sentimentalen Luxus leistete, Ben gern zu haben, war seine zweite Anlaufstelle; und deren Zuhälter hatte die grandiose Idee: Bens Aussehen, seine Naivität müsste doch auszunutzen sein. So schickt er ihn mit einem Koffer voller Drogen nach Frankreich...
Ben ist nun also erwachsen geworden - und zahm. Während er im "Fünften Kind" ständig eine latente Bösartigkeit ausstrahlt, verkörpert er hier ein Opfer; ein Mensch, der mit dem Stand der Technik nicht zurande kommt, der wirkt als wäre er ein genetischer Rückfall in die Zeit der Neandertaler.
Und die Bösen sind in diesem Falle die Anderen, die Umwelt, die es diesem Wesen noch schwerer macht, es benutzt, oder, wie dann in Brasilien, zu Forschungszwecken in die Finger kriegen will.
Dabei begleiten ihn jedoch immer wieder Menschen, die ihn ins Herz schließen, für ihn sorgen, auf ihn aufpassen - und genau hier liegt für mich auch der Hund begraben.
Diese Fürsorge, Zuneigung oder wie immer man es bezeichnen möchte, klingt für mich einfach nicht plausibel. Im Gegensatz zum wirklich grandiosen "Fünften Kind", bei dessen Lektüre ein sehr beklemmendes Gefühl zurückbleibt, ist "Ben in der Welt" leider ziemlich harmlos - und damit auch langweilig geraten.
Doris Lessing wurde 1919 im heutien Iran geboren, zog mit ihrer Famlie 1924 nach Rhodesien und lebt seit 1949 in England. Schon früh schrieb sie Gedichte und Erzählungen. Mit dem Roman "Afrikanische Tragödie" legte sie 1962 den Grundstock zu ihrem umfangreichen literarischen Werk. 2007 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet
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