Anita Lenz - Wer liebt, hat Recht

Originaltitel: Wer liebt, hat Recht
Roman. KiWi Taschenbuch Verlag 2000
186 Seiten, ISBN: 3462031813

In einer Dreiecksgeschichte gibt es immer mehr als nur eine Wahrheit. Und wer liebt, hat Recht - seine Geschichte ist zumindest für ihn die einzige, die zählt. In diesem Buch ist das die Geschichte von Maja, der betrogenen Ehefrau, die eigentlich nur durch einen dummen Zufall merkt, dass ihr Mann sie betrügt. Es ist nicht das erste Mal, es ist auch nicht so, dass sie immer treu gewesen wäre - doch es war ihr immer wichtig gewesen, für ihn die Nummer eins zu sein.

Diesmal aber - diesmal ist es anders. Diesmal ist es nicht nur eine Frau - sie hat ein Kind. Ein Kind von Majas Ehemann. Das dieser genauso sehr wollte wie auch sie; aber all das findet Maja erst nach und nach heraus. Freiwillig erzählt Helmut ihr immer nur so viel, wie sie bereits selbst herausgefunden hat; erst heißt es, ja, es gibt ein Kind - aber es lebt mit der Mutter in Marseille. Bis Maja herausfindet, dass die Mutter nur vorübergehend in Marseille ist - für die Zeit der Geburt, die Zeit des Mutterschutzes. Bis sie wieder zurückkehrt nach Tübingen - ganz nah zu Helmut. Viel näher, als sie, Maja, es ist - denn sie beide führen schon seit Ewigkeiten eine Fernbeziehung.

Und trotzdem will sie weiterhin mit Helmut verheiratet bleiben, will ihn halten, um ihn kämpfen - trotz aller Verletzungen, trotz aller Demütigungen, denen sie durch diese Beziehung unterworfen ist. Auch er will an dieser Ehe festhalten - nicht nur als Schutz vor den Ansprüchen der anderen Frau, obwohl auch das eine gewisse Rolle spielen mag. Aber er merkt wieder, dass er seine Frau liebt, merkt erst an ihrem Leiden und Kämpfen wieder, dass auch von ihrer Seite Leidenschaft und Glut vorhanden ist; in einer Achterbahnfahrt der Gefühle nähern sie sich einander wieder an...

Die Autorin hat sich mit Schreiben die Pein wegschreiben wollen; ob es ihr gelungen ist, erfährt man zum Schluss nicht. Auch wenn das Buch als Roman stilistisch nicht immer überzeugt - als mutiges, zutiefst ehrliches Dokument eines Ehebruchs ist es unglaublich faszinierend. Die tiefe Verzweiflung, die Besitzansprüche, die unschönen Szenen - und dann reicht ein Blick, und die ganzen im Groll gefassten Vorsätze, ihn nun wirklich zu verlassen, ihn seine Suppe alleine auslöffeln zu lassen, lösen sich in Luft auf. Sobald die Wochenenden, die Zeit zu zweit wieder vorbei ist, tauchen die Zweifel dann umso heftiger wieder auf, und wieder und wieder wird jedes Wort auf die Goldschale gelegt.

Dabei wird die Geliebte, die in die Ehe eingedrungen ist, nicht vergessen - auch ihre Sicht, zumindest in der Vorstellung Majas, kommt zum Ausdruck, so sehr es sie auch schmerzt, hier Verständnis aufzubringen. Viel schlimmer empfinden aber beide die Reaktionen der Freunde. Aber ich will hier gar nicht zu viel vorwegnehmen - "Wer liebt, hat Recht" ist ein Buch, das ich all jenen, die sich für Beziehungen interessieren, ans Herz legen möchte. Es liefert garantiert jede Menge Gesprächsstoff!

Anita Lenz

Anita Lenz, Jahrgang 1945, ist Journalistin. Die gelernte Buchhändlerin, Historikerin und Politologin hat lange bei einer Berliner Tageszeitung gearbeitet und schreibt gegenwärtig an einem Buch zu einem zeitgeschichtlichen Thema.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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