Michael Lentz - Liebeserklärung

Originaltitel: Liebeserklärung
Roman. S. Fischer Verlag 2003
190 Seiten, ISBN: 3100439236

Ein Mann, verheiratet, stellt eines Nachts fest, dass seine Ehe am Ende ist. Gut, da ist ohnehin schon eine andere Frau - und mit der versucht er es nun erneut. Nähe, Distanz, Klammern, und immer wieder die Flucht. Dann geht es wieder in den Zug, die deutschen Städte rauschen vorbei, bis wieder die Sehnsucht kommt, SMS ausgetauscht werden, und alles von vorne beginnt, bis irgendwann auch in dieser Beziehung das große Scheitern eingestanden werden muss.

Dazwischen wird sehr viel ... geschwafelt. Über die Zustände in Deutschland, die obligatorischen Verspätungen und den lausigen Service der Bahn, über das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, ach, einfach über alles, worüber man sich als kritischer Deutscher gemeinhin echauffiert.

Dabei gelingt es dem Autor durchaus, so auf 10 Seiten ein oder zweimal, eine wirklich gelungene Metapher, ein neues, intelligentes Wortspiel unterzubringen. Allerdings war die Gefahr bei mir groß, diese seltenen Freuden zu überlesen, weil ich mich durch den größten Teil des Buches (das der Verlag wohl nur aus Vermarktungsgründen als Roman bezeichnen kann) einfach nur gelangweilt habe.

Ein wirklicher Lichtblick war für mich eine kurze, ca. dreiseitige Passage in der Mitte des Buches, in der Lentz für mich plötzlich wirklich Stärke zeigt; es ist eine kurze, sehr intensive Beziehungsszene, in der mit stilistisch gut gesetzten Mitteln der Wunsch die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Distanz zwischen Liebenden spürbar wird.

Ich habe auch eine Weile gebraucht, um mich an den Sprachstil zu gewöhnen; korrekte deutsche Sätze darf man nicht erwarten, es ist eine sehr assoziative Sprache, die mich stellenweise auch sehr ermüdet hat.

Für mich ist dieses Buch stellvertretend für all das, was ich an der "neuen jungen deutschen Literatur" nicht mag: kopflastig, keine Story, viele Worte um nichts, kein Humor - nein, von mir definitiv keine Empfehlung.

Michael Lentz

Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, lebt in Berlin. Diverse Preise, ua den Ingeborg-Bachman-Preis 2001 und den Förderpreis des BDI 2002. Zuletzt erschienen die Prosabände "Oder" und "Muttersterben" und die Lyrikbände "Neue Anagramme" und "Aller Ding".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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©03.06.2004 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing