Stanislaw Lem - Sterntagebücher

Originaltitel: Dzienniki Gwiadowe
Science Fiction. Suhrkamp Verlag 1971
478 Seiten, ISBN: 3518369598

Es handelt sich hier um die Schriften Ijon Tichys, der auf seinen Reisen zu fernen Galaxien, Monden, Sternen, Sonnensystemen einige für uns uninformierte höchst seltsame Erlebnisse aufzuweisen hat.

So gerät er beim Versuch, sein Raumschiff zu reparieren, in eine Zeitschleife - und begegnet sich selbst in unzähligen Variationen. In der ersten Zeitschleife verdoppelt er sich; er wird nachts geweckt, von seinem Ich des nächsten Tages - und glaubt nicht daran. Am nächsten Tag - nun ist er selbst schon der vom Dienstag - hat er die geniale Idee, wie er das Raumschiff doch reparieren könnte, versucht den vom Vortag zu wecken - der nicht glaubt, was er sieht. Und so verfielfacht er sich bei Durchzug durch die Zeitschleife noch unzählige Male, und gerät aufs böseste mit sich selbst in Konflikt…

Oder die Geschichte vom katholischen Missionar, der auf einem Planeten mit ausgesprochen friedfertigen, liebenswerten Geschöpfen landet. Sie lesen ihm jeden Wunsch von den Augen ab, sind Feuer und Flamme für die neue Religion - und martern deswegen den Missionar zutode. Zu seinem eigenen Wohle, und gegen jegliches innere Empfinden - denn das höchste für einen Christen, so hatte er ihnen immer wieder gepredigt, wäre ein Einzug ins Himmelreich als Märtyrer. Da man nun alles für seinen Nächsten geben sollte, hatten sie ihm diesen vermeintlichen Wunsch schweren Herzens erfüllt…

Die einzelnen Geschichten, die in diesem Buch zusammengefaßt sind, haben durchaus sehr originelle Ideen.

Sie sind witzig, intelligent - und dennoch. Das rechte Lesevergnügen wollte sich nicht einstellen.

Das mag zum einen daran liegen, daß ich mit Fantasy nicht besonders viel am Hut habe.

Es lag aber auch an der Sprache, die für meine Begriffe alles zu detailliert und genau schilderte.

Trotzdem sind die Ideen, die er entwickelt, die Kritik, die er ziemlich unverhüllt in seinen Geschichten äußert, auf alle Fälle lesenswert.

Stanislaw Lem

Stanislaw Lem, geboren am 12. September 1921 in Lswow, lebt in Krakau. Er studierte Medizin und gilt als Großmeister der Kybernetik und Erfinder des Cyberspace. Berühmt wurde er nicht nur durch seine Science-fiction Romane und Erzählungen, sondern auch durch sein bedeutendes wissenschaftliches und essayistisches Werk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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