Halldor Laxness - Atomstation

Originaltitel: Atómstödin"r
Roman. Diverse 1948
231 Seiten, ISBN: 3882438118

Ugla zieht mit ihren 21 Jahren aus dem Nordland in die Stadt. Hier fängt sie im Haus eines Parlamentsabgeordneten an, als Hausmädchen zu arbeiten.

Dem plumpen, ungelenken Mädchen vom Lande kommt hier in der Stadt so manches seltsam vor; die Frau des Abgeordneten warnt sie permanent vor den Kommunisten, die sie moralisch völlig verderben würden, die Kinder verhalten sind nur gelangweilt und versuchen, Ärger zu machen, wo es ihnen möglich ist.

Der eine befreit Nerze, der andere wird nächtens volltrunken in den Hausflur geworfen, und die Tochter des Hauses hängt sich an die Amerikaner, lässt sich schwängern.

Auch Ugla merkt, dass sie ein Kind erwartet - vom schüchternen Polizisten, den sie beim Organisten kennenlernte. Eine seltsame Mischung, die sich hier versammelt; Götter, Streithähne, Straßenmädchen - und keiner von ihnen schafft es, die Ruhe des Hausherrn ins Wanken zu bringen.

Nicht zuletzt gibt es auch noch die Amerikaner - das sind die Herren, die zu später Stunde im Haus des Abgeordneten auftauschen, was jedes Mal wieder zu einer gewissen Unruhe in der Stadt führt: werden die Abgeordneten die Hoheitsrechte Islands an die Amerikaner abtreten, damit diese hier im Land eine Atomstation aufbauen können? Nein, schwören die Politiker, wie kommt ihr auf diese Idee. Wir wollen doch nur das Beste! Und wir wollen unser Bestes zurückhaben - den Nationalhelden, den Lieblingssohn, der ihn Dänemark begraben ist, der soll zurückgeholt werden. ….

Sehr ungewöhnlich ist der Schreibstil dieses Buches; es dauert ein wenig, bis man sich eingelesen hat. Aber es lohnt sich - denn man wird mit einem sehr humorvollen, kritischen Buch belohnt.

Ugla betrachtet die Welt mit den naiven Augen eines Mädchens vom Lande; doch dahinter steckt eine gesunde Lebenseinstellung, die die Dekadenz der Stadtbewohner von Anfang an entlarvt.

Heute ist die politische Brisanz zwar nicht mehr gegeben, doch damals hat der Roman gewiss durch sein ziemlich deutliches Aufzeigen von politischen Machenschaften Aufsehen erregt.

Eigenwillig, spröde und zynisch - selber lesen!

Halldor Laxness

Halldór Kiljan Gudjónsson wurde am 23. April 1902 geboren. Nach seinem Geburtsort in der Nähe von Reykjavik nannte er sich Laxness. Er verarbeitete Anregungen des deutschen Expressionismus und des französischen Surrelismus vor dem Hintergrund der isländischen Saga-Tradition zu einem völlig neuen, eigenständigen Stil. 1955 erhielt er für "Atomstation" den Nobelpreis für Literatur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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