Originaltitel: The Horned Man
Roman. Hanser Literatur Verlag 2002
222 Seiten, ISBN: 3446202153
Erst ist es nur ein Lesezeichen, dass sich nicht mehr an der Stelle befindet, an die Lawrence es zuletzt gesteckt hatte. Aber bald schon mehren sich die Zeichen, dass irgend etwas vorgeht, das er nicht kontrollieren kann.
Er hatte die Stelle als Dozent an einem kleinen College gerade erst angetreten und war noch dabei, sich in das soziale Gefüge einzubinden. Die seltsamen Vorfälle veranlassen ihn, sich stärker dafür zu interessieren, was den am College vor seiner Ankunft vorgefallen war - warum, zum Beispiel, seine Vorgängerin das College eigentlich verlassen hatte.
Alle Hinweise, die er erhält, weisen ihn auf einen Mann hin: auf einen gewissen Trumlicik, den er nun fast überall zu entdecken glaubt. Er benutzt sein Büro während seiner Abwesenheit, seinen Computer, und vielleicht hat er auch etwas mit dem veränderten Verhalten einer Kollegin ihm gegenüber zu tun: ihr hat er nämlich wie es scheint Avancen gemacht. Und kann sich nicht daran erinnern...
Auch wenn man als Leser relativ schnell einen Verdacht hat, was da denn eventuell nicht stimmen könnte, macht es trotzdem sehr viel Spaß, dem Autor auf seinem Irrweg zu folgen. Immer verrückter werden die Begebenheiten, an denen Lawrence festmacht, dass es jemand auf ihn abgesehen hat - und irgendwann war für mich der Bogen auch überspannt.
Da mich an dem Buch aber ohnehin weniger der zugegeben sehr skurrile Plot am meisten gereizt hat, sondern die Sprache konnte ich dem Autor so kleine Unzulänglichkeiten gerne verzeihen.
Denn wenn James Lasdun gerade keine Szenen erzählt, die die Handlung vorantreiben sollen, dann beschreibt er und spart dabei nicht an diesen kleinen bösen Bemerkungen, die ich beim Lesen so sehr liebe.
Geistreiches Geplauder, das hoffentlich beim nächsten Buch in ein noch packenderes Gerüst gesteckt wird - ein Autor, den ich in jedem Fall im Auge behalten werde.
James Lasdun wurde 1958 in London geboren und lehrte Creative Writing an verschiedenen namhaften amerikanischen Universitäten. Er lebt heute in der Nähe von New York. Vor Die Belagerung, einer Sammlung, die aus Anlass der Verfilmung der gleichnamigen Geschichte von Bernardo Bertolucci 1999 neu zusammengestellt wurde, sind von ihm die beiden ebenfalls hochgelobten Erzählungsbände Delirium Eclipse (1986) und Three Evenings (1992) erschienen. Er schreibt als Kritiker für die "Village Vioce" und das "Times Literary Supplement" und arbeitet außerdem erfolgreich als Drehbuchautor.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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