Elena Lappin - Fremde Bräute

Originaltitel: Foreign Brides
Erzählung(en). dtv Der TaschenbuchVerlag 2002
205 Seiten, ISBN: 3423129689

Eine israelische Frau verliebt sich in Tel Aviv in einen Urlauber, folgt ihm nach London - und entliebt sich langsam, je mehr sie seine Sprache spricht. Vor allem wird ihr langweilig, ist der Mann für sie kein spannender, aufregender Fremder mehr. Dann geht sie bei ihren Einkäufen eines Tages bei einem Metzger vorbei. Einem nicht-koscheren Metzger; aber nicht nur das Fleisch, das hier feilgeboten wird, erscheint ihr saftig und verlockend - auch der Mann, der hinter der Theke steht, ist eine Versuchung. Bald schon wird aus der frivolen Idee eine leidenschaftliche Affäre, die noch dadurch gekrönt wird, dass nur noch unkoscheres Fleisch verkocht wird. Jedes Lob über ihre neu erwachte Kochlust kitzelt ihre geheime Befriedigung. Doch dann kommt die wöchentliche Fleischlieferung überraschend, als ihre Schwiegermutter die Tür öffnet...

Eine andere Geschichte erzählt von einer Frau, die bei einem Yoga-Seminar überraschend eine alte Bekannte wieder trifft: als Teenager hatte sie einen Sommer als Au-Pair verbracht, einen Sommer, der ganz anders verläuft, als sie es erwartet hatte...

Vierzehn Geschichten werden hier erzählt, die zwischen England, New York und Israel angesiedelt sind. In sehr unprätentiösem Stil vermag die Autorin es, mit wenigen Sätzen eine pralle Geschichte zu erzählen, auf unnötige Schnörkel zu verzichten - und vor allem: ihren Geschichten zum Schluss jedesmal eine überraschende, aber befriedigende Wendung zu geben. Bei vielen Erzählungen bleibt am Ende ein Gefühl von Ratlosigkeit, als wäre das Ende an einer nicht vorgesehenen Stelle erfolgt. Auch hier könnte man sich gut vorstellen, noch mehr zu lesen, die Geschichte weitergehen zu lassen - aber der Schlusspunkt ist genauso perfekt gesetzt wie die ganze Erzählung konzipiert ist.

Man hat hier den Eindruck, Texte vorliegen zu haben, an denen lange genug gefeilt wurde, um rundherum stimmig zu sein, und dabei immer noch an Leben dazugewonnen haben.

Einziger Wehrmutstropfen: gegen Ende liest man dann auch Erzählungen, die diesen Ansprüchen nicht mehr ganz genügen, die für sich genommen auch gar nicht schlecht sind - aber das Niveau der vorangegangenen dennoch weit nicht erreichen.

Lakonisch erzählt, mit einem gehörigen Schuss Erotik und Frivolität, erwarten den Leser hier traurige und komische Geschichten, die man gerne in Erinnerung behält.

Elena Lappin

Elena Lappin, geboren 1954 in Moskau, aufgewachsen in Prag und Hamburg. Nach Israel, Kanada und den USA lebt sie heute mit ihrem Mann und drei Kindern in London. Herausgeberin mehrerer literarischer Anthologien und von 1994 bis 1997 Chefredakteurin der Zeitschrift "Jewish Quarterly". Sie ist die Schwester von Maxim Biller.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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