Peter Landesman - Der Stundenläufer

Originaltitel: Blood Acre
Krimi. Bastei Lübbe Taschenbücher 1999
334 Seiten, ISBN: 3404920678

Nathan Stein ist Anwalt in Manhatten - einer, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, seine Mandanten mittels Bestechungsgeldern aus dem Knast zu holen - oder sie drin schmoren zu lassen, je nachdem, was lukrativer ist. Einst war er ja ein idealistischer Anwalt, doch seit dem Eintritt in die Kanzlei des Vaters ist es damit vorbei.

Vom Vater hat Nathan nicht nur die Kultiviertheit und das gute Aussehen und auch die Korruptheit geerbt, sondern auch den hohen Verbrauch an Frauen, bevorzugt Hispanas.

Isabel, Nathans Sekretärin, wird ermordet aus dem Wasser gefischt. Am Vorabend war er noch mit ihr unterwegs - und Errol Santow, ihr Bruder, der Polizist und Kindheitsfreund Nathans, ist überzeugt, daß dieser der Mörder ist.

In jungen Jahren waren sie unzertrennlich, Nathan, Errol, und Claire, Nathans Verlobte, die er fortwährend betrogen hatte - bis María auftauchte und sie ablöste. María, die nun, auf eigenen Wunsch heimlich und versteckt, qualvoll an AIDS stirbt - die Krankheit, an der wohl auch Nathan über kurz oder lang sterben wird.

Immer schneller dreht sich das Rad, immer enger wird die Schlinge - bis Nathan plöztlich selbst als Angeklagter vor dem Richter steht, und langsam die Zusammenhänge begreift…

Die große Rolle, die Drogen in diesem Buch spielen, merkt man auch an der Erzählweise. Immer wieder kurze, unzusammenhängende, grell beleuchtete Szenen, rasche Wechsel, eine Sprache wie im Fieberwahn - und dann wieder ruhigere Passagen, in denen dann etwas Klarheit auftaucht.

Nach den ersten 50 Seiten war ich erst mal nur genervt; ich konnte mit all den Andeutungen, Anfängen, Abbrüchen, Szenenwechseln und den vielen Namen nichts anfangen. Doch danach wurde es deutlich besser, langsam wurden ein paar Zusammenhänge klar, wichtige Szenen aus der Vergangenheit erzählt.

Trotzdem - ich fühlte mich an ein rasend schnell geschnittenes Musikvideo erinnert, ich mags aber lieber mit längeren Einstellungen und nicht so hektisch.

Alles in allem hat mir aber die Geschichte, die eigentlich erzählt wird, ziemlich gut gefallen - und sie ist es auch, die den durchwegs guten Nachgeschmack rechtfertigt, den dieser Krimi bei mir hinterlassen hat.

Peter Landesman

Peter Landesman, geboren 1964, ist seit seinem Studium an der Cornell University als Maler und Journalist ua für The New Yorker, Harper´s Magazine und Merian tätig. 1997 erhielt er für "Meereswunden" den renommierten Sue Kaufman Prize. Er lebt in Brooklyn, New York.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©30.06.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing