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Besprechungen |
30.06.01 |
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Rezension von KONRAD, Lesegruppe Vorarlberg |
Ulrike Längle - Vermutungen über die Liebe in einem fremden Haus | |||||
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Allein Urlaub machen. Den Alltag hinter sich lassen. Sich von den Strapazen des Beziehungslebens erholen. Auf die Stille hören. Einfache Arbeiten im Garten verrichten. Zeit zum Nachdenken finden. Fanny lässt uns teilhaben an ihrem Urlaub. Dieser Urlaub ist für sie kein gewöhnlicher, sondern stellt einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben dar. Nicht mehr, wie bisher, orientiert sie sich nach dem Süden, sondern versucht ihr Glück einmal Richtung Norden; eine eindeutige Wendung, eine Kehrtwendung in ihrem Leben. Vieles geht Fanny durch den Kopf. Der 1. Teil des Buches (DAS HAUS), der längere Teil, handelt von alltäglichen Vorkommnissen, die in allen Details geschildert werden. Bisherige Nebensächlichkeiten werden aufmerksam betrachtet, zufällige Begegnungen mit wildfremden Menschen bekommen Gewicht. Der Hektik, in welcher vieles unbewusst, nebenbei geschieht und dadurch verloren geht, setzt die Autorin eine "Mystik des Alltags", des Alltäglichen entgegen: Das Sich-einrichten im Ferienhaus, die Betrachtung der vielen herumstehenden und -hängenden Bilder, das Einkaufen. Kochen, die Gartenarbeiten, das Genießen des guten Wassers von Hämby, das Sehen der üppigen Vegetation im Norden, die Morgentoilette, das Spüren der wärmenden Sonne ... all diese Dinge gewinnen in den Schilderungen Fannys eine Dichte und Intensität, wie sie nur Menschen erleben können, die ganz im Hier und Jetzt leben. Unterbrochen werden diese "Meditationen" von Erinnerungen an Egon, mit dem Fanny 7 Jahre verheiratet war und von dem sie sich vor 5 Jahren getrennt hat. Noch immer brechen Schmerzen und Tränen gemeinsam mit diesen Erinnerungen auf, manchmal auch ohne ersichtlichen Grund. Auf 160 Seiten werden diese 4 ersten Urlaubstage geschildert. Für den restlichen Urlaub (AM SEE), der viel abwechslungsreicher, aber nicht weniger intensiv verläuft, braucht die Autorin nur mehr knapp 60 Seiten. Neues, Unerwartetes bricht in Fannys Leben ein: Die zarte Beziehung mit dem Studenten Martin und die Begegnung mit dem Hausbesitzer Anton Lundberg prägen die kommenden Wochen. Und es werden letztlich auch, wie der Buchtitel es ankündigt, "Vermutungen über die Liebe in einem fremden Haus" angestellt. |
Die Autorin: Ulrike Längle, Geboren am 4. Februar 1953 in Bregenz / Vorarlberg. Studium der Germanistik, Romanistik und Komparatistik in Innsbruck und in / Frankreich. Lehramt. Seit 1984 Leiterin des Franz-Michael-Felder- und Vorarlberger Literaturarchivs in Bregenz. Lehrbeauftragte an der Universität Innsbruck. Autorin, Herausgeberin, Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin. Herausgeberin u. a. der Erinnerungen Max Riccabonas im Haymon Verlag Innsbruck, 1995. Lebt in Bregenz / Vorarlberg. |
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| Konrads Meinung: Und hier gehts zu Bertrams Meinung: |
Ich habe das Buch mit Begeisterung und Freude
gelesen. Fanny war mir schnell vertraut, sie wirkte auf
mich authentisch und glaubwürdig. Zur Sprache kommt, was
gerade Sache ist (wie oben beschrieben). In diesem Sinne
ist für mich das Buch "Vermutungen über die Liebe
in einem fremden Haus" ein hintergründiges und
tiefsinniges Buch, in dem auch Ironie, Überraschung und
Phantasie ihren Platz haben. Ich kann es nur wärmstens
weiter empfehlen. |
Deine Meinung | ||||
| Leseprobe: (Zitat 1. Seite) |
Fanny
wandte sich nun wieder ihrem Moskitonetz zu und schlug
den Haken über dem Bett in die Holzdecke. Die Decke war
hellblau gestrichen, die weißen Karniesen, von denen
alte Spitzenvorhänge herabhingen, hatten goldene
Verzierungen. Fanny befestigte das Moskitonetz an dem
mittleren Rattanring und hängte es an der Decke auf. Das
Bett sah nun aus wie die Schlafstätte einer Prinzessin.
Fanny mußte lachen. |
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