Denis Lachaud - Ich lerne deutsch

Originaltitel: J´apprends l´Allemand
Roman. Diana Verlag 2001
222 Seiten, ISBN: 3453160401

Ernst Wommel zu heißen, einen deutschen Pass zu haben und in Paris aufzuwachsen - als Franzose; davon handelt dieses Buch. Die Eltern sprechen zu Hause nur Französisch. Und als Ernst beschließt, als Fremdsprache Deutsch zu wählen, beim Schüleraustausch mitzumachen, ist die Reaktion des Vaters sehr deutlich: Er will ihn nicht sehen, diesen Deutschen.

Ernst merkt, als er bei seiner Gastfamilie lebt, wie viele deutsche Gewohnheiten die Eltern trotzdem beibehalten haben. Und er erlebt eine Bindung ganz besonderer Art zu Rolf- seiner ersten Liebe.

Als Rolfs Großvater ihm von seiner Zeit als KZ-Wärter in Dachau erzählt, wird die Vergangenheit plötzl8ich ein zentrales Thema für Ernst. Rolf und seine Geschwister wussten nichts von der Vergangenheit ihres Großvaters, und Ernst beginnt, auch in der eigenen Familiengeschichte zu forschen. Es gäbe keine Verwandten mehr, hatten die Eltern auf Nachfragen immer geantwortet. Aber in Berlin findet Ernst seinen Großvater - lebend...

Schade eigentlich. Das Buch enthält prinzipiell alles, was ich an Büchern mag: eine Geschichte, mit der es sich lohnt, sich auseinander zu setzen, verbunden mit der persönlichen Entwicklung eines Menschen und seiner und seiner Familie Vergangenheit. Trotzdem mochte ich dieses Buch nicht.

Ernst war mir nicht sympathisch, Rolf ebenso wenig, und die Erzählweise hat mich so gar nicht angesprochen. Ständig in der Gegenwart zu erzählen, und dann unvermittelt und unbegründet die Erzählhaltung zu wechseln fördert den Lesegenuss nicht unbedingt. Aber am wenigsten konnte ich damit anfangen, dass der Erzähler vermittelte, die einzig mögliche Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für sich gepachtet zu haben.

Denis Lachaud

Denis Lachaud wurde 1964 in Paris geboren, wo er auch heute lebt und als Schauspieler arbeitet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©15.09.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing