Originaltitel: Intimacy
Roman. Rowohlt Verlag 1999
159 Seiten, ISBN: 3499229005


Frau und zwei Kinder zu verlassen, ist nicht gerade einfach. Auch dann nicht, wenn die Beziehung sich schon ziemlich totgelaufen hat. Denn einerseits sind da die Kinder, die über alles Geliebten, denen man, und das ist gewiss, Schmerzen bereitet. Und außerdem ist es auch ungewiss, ob das Leben außerhalb dieser Beziehung denn das alles bereithält, was jetzt vermisst wird: Nähe, Intimität, Liebe - anstelle von Kameradschaft und Gewohnheit.
Am nächsten Morgen will er gehen. Und erst mal bei einem Freund in einer kleinen Abstellkammer hausen. Gehen, ohne sich wortreich zu verabschieden, nur einen Brief will er hinterlassen. Und während er sich die Entscheidung wieder und wieder durch den Kopf gehen lässt, auf Zeichen hofft, die ihm ein Bleiben ermöglichen würden; wenn sie sich jetzt mit einer zärtlichen Geste zu ihm hinwendet, bleibt er, wenn sie, wenn sie...
Doch irgendwann ist der Morgen da, und es gilt, nun wirklich eine Entscheidung zu treffen...
Hanif Kureishi hat hier etwas wirklich großartiges geschaffen - er lässt uns eine Nacht lang die Gedanken eines Mannes teilen, der seine Frau und seine Kinder verlassen wird.
Was mich daran besonders angesprochen hat, war einerseits diese Darstellung dessen, was er vermisst, was für ihn Leben bedeutet. Aber er malt kein Schwarz-Weiß-Bild; er wirkt wie ein Mensch, der zwar eine Entscheidung treffen wird, aber davon liebend gern abgehalten würde. Denn natürlich ist das Altgewohnte schwer zu verlassen.
Auch wenn ich nicht alles, was er an Argumenten vorbringt, nachvollziehen konnte, und auch wenn ich den Anfang deutlich besser empfand als den Schluss - es ist ein Buch, das nicht von seiner Handlung, sondern von der Reflektion auf das eigene Innere lebt. Und das ist wirklich wunderbar gemacht. Was erwarte ich von meinem Leben? Wer auch immer sich diese Frage stellt, sollte dieses Buch lesen. Nicht, um Antworten zu erhalten - aber um zu fühlen, dass man damit nicht alleine ist...
Hanif Kureishi, 1954 als Sohn einer Engländerin und eines Pakistani in London geboren, begann während seines Studiums, Theaterstücke und Drehbücher zu schreiben, darunter die Vorlagen zu Stephen Frears "Mein wunderbarer Waschsalon" und "Sammy und Rosie tun es."
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