Originaltitel: L´Identité
Roman. S. Fischer Verlag 1997
163 Seiten, ISBN: 3596143578
"Die Männer drehen sich nicht mehr nach mir um" bemerkt Chantal eines Tages zu Jean-Marc. Und während sie diesen Satz schon längst wieder vergessen hat, grübelt er über dessen Bedeutung nach.
Um ihr das Gefühl begehrt und schön zu sein wiederzugeben, schreibt er ihr einen anonymen Brief. Fasziniert bemerkt er, wie ihr Gang plötzlich wieder schwungvoller wird, sie wieder zu strahlen beginnt. Langsam beginnt er, auf die Reaktionen, die seine eigenen Briefe hervorrufen, eifersüchtig zu werden.
Immer mehr kreisen seine Gedanken darum, wer sie denn nun eigentlich wirklich ist. Als ihre frühere Schwägerin eines Tages unvermittelt auftaucht und er sich vor Augen führt, wie Chantal sich in deren Gegenwart wohl verhalten haben mag, merkt er, wie wenig er von ihr weiß. Auch im Kreis ihrer Arbeitskollegen verhält sie sich völlig anders, bewegt sich anders, spricht anders - wer ist diese Frau wirklich?
Besonders spannend war dieses Buch nicht. Es war eine nette Idee, zu beobachten, wie sich die Idee, Chantal wieder zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen, verselbständigt - doch wurde sie meines Erachtens nicht wirklich ausgearbeitet. Der Leser bleibt mit Fragmenten, Anfängen zurück.
Außerdem fehlt bei diesem Buch die Leichtigkeit, der Charme von Kunderas früheren Werken. Streckenweise ziehen sich die ohnehin wenigen Seiten wie Kaugummi.
Einen Pluspunkt hat es allerdings: die Sprache, die Kundera verwendet, ist einfach wunderschön. Aber schöne Worte alleine genügen mir nicht.
Milan Kundera wudre 1929 in Brünn / Böhmen geboren. Nach dem Krieg schlug er sich als Arbeiter und Jazzmusiker durch. 1975 ging er ins Exil nach Frankreich, wo er seither lebt und publiziert.
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