Originaltitel: famine
Roman. S. Fischer Verlag 1999
344 Seiten, ISBN: 3100402162

Ein junger Mann wird verhungert in seiner Wohnung aufgefunden. Nicht in irgendeinem Slum - in Manhattan, und er scheint freiwillig verhungert zu sein, nicht von äußeren Zwängen wie Geldmangel dazu verdammt.
Der Detective wittert eine Art Mord. Bleibt in dieser Nacht in der Wohnung des Toten, spricht kurz mit einer Frau, die sich Emma nennt, ihre Tochter Sophie dabei hat. Er wäre auf der richtigen Spur. Und es würde noch mehr Tote geben.
Richtig wird nicht lange danach ein Taxifahrer verhungert aufgefunden - mitten in Unsummen von Dollar, die in jede Ecke gestopft waren.
Der Detective macht sich auf die Suche nach den Hintergründen. Er sucht auf den Spuren des ersten Verstorbenen, Daniel.
Daniel hatte keinerlei Kontakt mehr zu seiner Familie. Die Trennung hatte schon sehr früh begonnen; nach dem Tod des kleinen Bruders, für den er sich verantwortlich fühlte, wurde er ignoriert. Um irgendwann in der Psychiatrie zu landen, und dort Emma kennenzulernen. Und liebenzulernen. Nach ihrer beider Entlassung leben sie zusammen.
Das Wühlen in der Vergangenheit des Toten macht dem Detective schwer zu schaffen. Er ist dabei, seine eigene Identität zu verlieren, verläßt seine Frau, beginnt ein Verhältnis mit Daniels Schwester. Und findet langsam einen Zusammenhang zwischen den beiden Toten sowie auch zu der Frau, die nun in Emmas Wohnung lebt.
Doch es wird noch einen weiteren Todesfall geben, dann wäre alles klar, meint Emma….
Zwei Handlungsstränge weist dieser Roman auf; einmal Daniels fragile, obsessive Liebe zu Emma - auf der anderen Seite die Identitätskrise eines Detectives.
Leider ist die Vermengung der beiden Handlungsstränge in vielen Punkten ziemlich grob an den Haaren herbeigezogen - und das ist ausgesprochen schade.
Was mit Daniel und Emma geschieht, ist mit solcher Zartheit und Einfühlung geschrieben, das man den Atem anhält. Zwei junge Menschen, beide mit ihrem Kummer alleingelassen, von der Familie totgeschwiegen - aus Selbstschutz - die versuchen, sich gegenseitig im Leben den dringend notwendigen Halt zu geben und schlußendlich scheitern.
Der Rahmenhandlung eines Ermittlers, der den Stationen dieses Lebens nachforscht, sich selber immer stärker mit der Person des Daniel identifiziert, hätte es in meinen Augen nicht bedurft. Vor allem, weil der Leser vergeblich nach dem Punkt sucht, an dem dieses Verwischen tatsächlich passiert - es müßte schon vor Beginn der erzählten Handlung eingesetzt haben, und das ist sehr unlogisch.
Ein Buch, das ich wegen der poetischen und verzweifelten Beziehung zwischen Emma und Daniel sehr empfehlen möchte - und leider nicht vorbehaltlos empfehlen kann.
Todd Komarnicki wurde 1965 in Kalifornien geboren, wuchs in Philadelphia auf und lebt heute in New York. Er ist Filmemacher und Autor. Hunger ist sein zweiter Roman.
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