Alfred Komarek - Blumen für Polt

Originaltitel: Blumen für Polt
Roman. Diogenes 2000
186 Seiten, ISBN: 3257232950

Spektakulär ist es nicht, das Leben im Weinviertel, an der Grenze zu Tschechien. Still ist es - ruhig und beschaulich geht es zu in der Region, die hauptsächlich von Weinbauern bewohnt ist - und von Wienern, die die aufgelassenen Kellergewölbe und Anwesen als Wochenenddomizile aufkaufen.

Dass ein kleiner Autounfall passiert, kann auch hier natürlich vorkommen; und dass dabei mindestens einer der Beteiligten vorher einen kleinen Schluck Wein verkostet hat, auch. Höchst bedauerlich ist natürlich trotzdem, wenn dabei ein Mensch ums Leben kommt.

Aber der Rudi, der hier unter die Räder kam, ist im ganzen Ort bekannt dafür, sich schon mal absichtlich vor ein Auto fallen zu lassen, um dann Schmerzensgeld kassieren zu können. Entsprechend ist die Polizei auch bemüht, den Fahrer nach Möglichkeit durch Zeugenaussagen zu entlasten.

Am selben Abend wird aber noch ein weiterer Todesfall vermeldet. Willi, ein geistig Behinderter, war über den Lößabbruch gestürzt. Und das kommt Simon Polt seltsam vor, denn erst ein paar Stunden davor hatte er sich von Willi noch versprochen lassen, an dieser gefährlichen Stelle vorsichtig zu sein.

Auch wenn das für offizielle Ermittlungen nicht reicht - ein wenig umhören wollte er sich auf alle Fälle. Unter anderem bei den Kindern, die hier in der Kellergasse spielen, und die auch dafür bekannt sind, Willi immer mal wieder massiv gehänselt zu haben.

Dass die Viererbande, die in der aufgelassenen Kellergasse das Räuberhauptquartier aufgeschlagen hatte, für mehr verantwortlich war als nur das immer aufs neue verschwinden des Fahrrads der Greisslerin, liegt auf der Hand...

Was Komarek hier erzählt, ist eigentlich eine ganz alltägliche Geschichte. Ein Autounfall, ein Sturz; traurig zwar, aber nichts, was auf andere Motive würde schließen lassen. Es braucht einen Simon Polt, um unter die Oberfläche zu kommen. Seine Verhörmethoden entsprechen mit Sicherheit nicht den gängigen Verfahrensweisen; statt im Präsidium mit den Leuten zu sprechen zieht er es vor, sie in ihren Wohnungen zu befragen.

Irgendwann trägt dieses Zuhören auch Früchte. Und schon gibt es wieder ein neues Detail, das ihn locken könnte....

Beschaulich erzählt Komarek hier, obwohl die Geschichte nichts an Spannung vermissen lösst. Er erzählt mit einer ungeheuren Liebe zum Detail von den Gegenständen von der Region, in der er auch seine Krimis angesiedelt hat.

Es gibt Autoren, die schaffen es, eine ganze Welt vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen. Komarek gehört hier eindeutig dazu. Es ist, als würden die Landschaft und der Erzählrhythmus eines sein - eine gelungene Symbiose, lesens- und empfehlenswert nicht nur für Leser, die an der Region interessiert ist.

Alfred Komarek

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee, lebt und schreibt in Wien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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