Ulrike Kolb - Diese eine Nacht

Originaltitel: Diese eine Nacht
Roman. Klett Cotta 2003
189 Seiten, ISBN: 3608935932

Als sie hörte, wie es um ihn stand, war Vera sofort ins Krankenhaus gekommen. "Sie müssen mit ihm reden" hatten die Ärzte ihr gesagt - und so sitzt sie nun an Zott´s Bett und versucht, ihn durch die Beschwörung der schönen und leidvollen Ereignisse, die sie seit ihrer Jugend miteinander geteilt hatten, wieder ins Leben zurückzuholen.

Noch zu Schulzeiten hatten sie sich kennen gelernt - beide in ihrer Umgebung Außenseiter, die rasch eine sehr tiefe Freundschaft zueinander entwickeln. Freundschaft - und nicht Liebe, wie Vera es eigentlich erträumt und auch erwartet hatte, bis sie Zott eines Tages von dieser Frau schwärmen hört...

Während Zott ein abwechslungsreiches Liebesleben führt, legt Vera sich verhältnismäßig früh fest, gründet eine Familie - aber immer ist dieses enge Band zwischen den Beiden, immer sind sie einander die engsten Vertrauten. Auch wenn es lange Zeiten gibt, in denen Zott nichts von sich hören lässt.

Trennungen, neue Lieben - und irgendwann kommt das Unvermeidliche, auch aus Vera und Zott wird ein Paar. Doch auch in dieser Beziehung kann Zott nicht auf den Anreiz anderer Frauen verzichten. Und als sie sich trennen, scheint es trotz aller Verlustgefühle keinen Weg zurück mehr zu geben. Zumindest nicht bis zu diesem Anruf aus dem Krankenhaus...

Immer wieder beschwört Vera auf diesen knapp 200 Seiten die Liebe ihres Lebens, wieder aufzuwachen, aus der Tiefe seiner Ohnmacht zurückzukehren. "Weißt du noch" und "wach auf..." machen einen Gutteil des Buches aus.

Die permanenten Wechsel der Zeitebenen in den Rückblenden, meist von einem wohl Verzweiflung ausdrückenden Gestammel zu Beginn sollen wohl darstellen, wie angesichts der Katastrophe die verschiedenartigsten Erinnerungen sich in ihrem Kopf überschlagen.

Leider erziehlt all das nicht die gewünschte Wirkung. Viel zu aufgesetzt und konstruiert wirkt das Rahmengerüst des Romans, besonders im Bereich der direkten Beschwörung Zotts.

Dabei könnte Ulrike Kolb durchaus erzählen - das beweist sie auch in diesem Buch immer wieder, dann nämlich, wenn sie sich die Zeit nimmt, nicht nur gestammelte Erinnerungsfetzen zu präsentieren, sondern ganze Szenen lebendig werden lässt.

Dass trotz alledem die Story an sich leider einfach nicht wirklich interessant ist - nun, das ist wohl nur ein weiterer Punkt, der dazu beigetragen hat, dass ich bei weitem nicht das erwartete Lesevergnügen an Ulrike Kolbs Roman hatte.

Ulrike Kolb

Ulrike Kolb, 1942 geboren, lebt als freie Autorin in Frankfurt / Main

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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