Peter Köpf - Die Burdas

Originaltitel: Die Burdas
Roman. Europa Verlag 2002
305 Seiten, ISBN: 3203791455

Zwei Printerzeugnisse aus dem Haus Burda hat sicher schon jeder zumindest mal in Händen gehalten - die "Bunte" und "Focus" sind fester Bestandteil der deutschen Zeitschriftenlandschaft. Und im Gegensatz zu anderen großen Zeitungsverlagen in Deutschland ist Burda nach wie vor im Familienbesitz.

Angefangen hatte alles ganz klein und überschaubar. Schon der Großvater des heutigen Leiters Hubert Burda hatte in Offenburg eine kleine Druckerei, aber erst Franz Burda machte daraus ein lukratives Verlagshaus. Der Anfang lag im Druck der ersten Hörfunkzeitschrift, der Sürag. Dann hieß es, sich durch die schwierige Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges durchzulavieren.

Dass Burda dabei eine weiße Weste behalten hätte, kann man nicht behaupten. Der Druck von Luftbildplänen rettete zwar das Überleben der Druckerei, aber wofür sie verwendet wurden, daran mochte man nicht denken. Aber Burda versuchte doch (gedrängt von seiner weitsichtigeren Frau Aenne), so sauber wie möglich zu bleiben, keine Zwangsarbeiter zu beschäftigen, und auch die Druckerei, die er enteigneten Juden abkaufte, zumindest halbwegs fair zu bezahlen.

Nach dem Krieg ging der Aufschwung des Verlagshauses aber erst richtig los. Gleich nach dem Krieg durfte er weiterarbeiten - unter der Schirmherrschaft der Franzosen, die ihm auch die ersten Aufträge für Schulbücher erteilten. Und nicht allzulange danach konnte er auch wieder eigene Zeitschriften herausgeben. "Ufer" hieß eine davon - und war ganz klar auf das Zielpublikum der ehemaligen, jungen Nationalsozialisten ausgerichtet, denen man ein Ufer, eine Möglichkeit bieten wollte.

Wirklich interessant wurde es aber erst, als die Bunte Illustrierte aus der Taufe gehoben wurde - eine Zeitschrift, in der viel heile Welt, viel Klatsch und Tratsch aus der Prominenz zu lesen war - ein Konzept, das bis heute im wesentlichen unverändert besteht.

Ein Dasein als Hausfrau war für Aenne zu langeilig; und als sie dann auch noch feststellen musste, dass ihr Mann sie seit Jahren betrog, suchte und fand sie ein neues Betätigungsfeld: die Geburtsstunde von Burda Moden, der Zeitschrift für Heimschneiderinnen.

Bei diesem Erbe hatte Hubert Burda es schwer, sich zu profilieren; und über einen langen Zeitraum hinweg waren alle Projekte, die er ins Leben rief, Flops. Sei es das Männermagazin M, ein Onlinedienst, die SUPER- Zeitungsfamilie - nichts davon konnte er wirklich am Markt etablieren. Bis die Geburtsstunde des Focus geschlagen hatte...

Als der Autor das Thema "Nationalsozialismus" glücklich umschifft hatte, konnte man als Leser eine spürbare Erleichterung feststellen. Peter Köpf hat sich sichtlich darum bemüht, die Fakten so objektiv wie möglich zu präsentieren, weder die Familie Burda als politisch korrekt zu präsentieren noch sie in Grund und Boden zu verdammen.

Diese Anstrengung merkt man dem Text auch an. Ganz zu Beginn hatte Köpf sich auf poetische Pfade begeben, hatte die beginnende Beziehung zwischen Aenne und Franz in epischer Breite geschildert. Dann, nach dem 2. Weltkrieg, hat Köpf sein Erzähltempo endlich gefunden.

Natürlich erwartet man, in einer Biographie bzw. Monographie auf viele bekannte Namen zu stoßen. Aber nicht nur hat der Autor es verabsäumt, ein Register mit den wesentlichen Daten der genannten Personen zu erstellen, was oft sehr hilfreich gewesen wäre.

Gut erkennbar ist der Unterschied zwischen Vater und Sohn. Der Vater, der joviale Großfabrikant, der im Dorf seinen Status spazierenfährt, während der andere noch Taxi fährt; das Charisma, die Ausstrahlung des Alten sind im Unternehmen legendär.

Interessant ist das Buch sicher - aber wer Wert auf gepflegte Sprache legt, sollte doch besser zu einem Roman greifen.

Peter Köpf

Peter Köpf, geboren 1960, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften sowie Neuere Deutsche Literatur in München. Seit 1991 ist er als Journalist für Printmedien und Fernsehen tätig und lebt heute in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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