Originaltitel: Summerland
Roman. Berlin Verlag 2002
330 Seiten, ISBN: 3827000858


Sie sind reich, attraktiv, erfolgreich - spielerisch fällt ihnen in den Schoß, wovon andere nur träumen, ohne Anstrengung klettern sie die Karriereleiter immer höher hinauf.
Aber "Die Reichen haben zwei Arme und zwei Beine, sie sind nicht besser als wir anderen, oder? Aber wenn man das so sieht, muss man ihnen auch Gefühle zugestehen. Die Reichen bluten und weinen und sterben genauso wie wir anderen." Und auch Hugh und Helen, Puppa und Richard sind nicht glücklich. Sie kennen sich schon seit Kindestagen; sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft, erscheinen nach außen wie eine untrennbare Einheit.
Wie tief die Entfremdung zwischen ihnen eigentlich ist, merkt er als Letzter von allen. Und erst jetzt, nach Puppas und Hughs Tod, erfährt er nach und nach, was sich alles hinter seinem Rücken abgespielt hatte.
Hugh war von vornherein der Mittelpunkt ihrer kleinen Gemeinschaft. Schon in Kindestagen hatte er diesen ganz speziellen Charme, dem man sich so schwer entziehen konnte; und die Freundschaft mit ihm bedeutete auch, in Kreise aufgenommen zu werden, zu denen Richard von Rechts wegen gar nicht gehörte. Auch Helen, Hughs Frau, spielte gesellschaftlich nicht ganz in seiner Liga mit; aber dafür war sie eine vollendete Schönheit. Eine seltsame Beziehung führten diese beiden; nie berührten sie sich in der Öffentlichkeit; keine Vertraulichkeiten verrieten, dass sie zusammen gehörten.
Dabei liebt Helen ihn; sie liebt Hugh mit einer Verzweiflung und Nachdrücklichkeit, die umso größer wird, je mehr er sie verletzt.
Aber auch die Ehe zwischen Puppa und Richard war nicht wirklich glücklich. Obwohl andere Männer sie als sehr schön bezeichnen, empfand er selbst sie nie als attraktiv. Auch Puppas Versuche, zu schreiben, nimmt er gelassen hin; im Gegensatz zu Hugh und Helen hat er nicht zu befürchten, dass ihre Enthüllungen ihn bloßstellen könnten.
Denn das Paar, das mit Leidenschaft und unter Qualen aneinander hängt, sind Puppa und Hugh. Immer wieder versuchen sie, sich voneinander zu lösen - was umso schwieriger ist, da die Ehepartner ja nichts davon merken sollen - aber sie schaffen es bis zum Schluss nicht. Bis zu diesem Autounfall...
Wie ein Puzzle enthüllt in diesem Roman ein Mann die Geschichte seines Lebens, die große Lüge, die er geglaubt hat. An Freundschaft und Liebe hatte er geglaubt, obwohl er Hugh seit Kindestagen kannte, und entsprechend auch die Grausamkeiten und Lügen zu spüren bekam.
In all der Verzweiflung, der Leere hat mich das Buch an F. Scott Fitzgeralds "Der große Gatsby" erinnert.
Es ist nicht der grobe Handlungsfaden, der für mich die Faszination des Buches ausgemacht hat. Es sind einzelne Beobachtungen, die unerträgliche Leere, und immer wieder auch der sichere, treffende Stil, die bewirkt haben, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.
Malcolm Knox, geboren 1971, lebt in Sydney, Australien, wo er seit 1994 als Journalist für den Sydney Morning Herald arbeitet. Seine Artikel und Essays wurden in Australien, Großbritannien und Indien publiziert. Sommerland ist sein erster Roman.
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