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Besprechungen |
30.06.01 |
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| Radek Knapp - Herrn Kukas Empfehlungen | **** |
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Auch wenn seine Eltern nicht damit einverstanden sind Waldemar ist fest entschlossen, über den Sommer in den Westen zu gehen. Warschau kann doch nicht alles gewesen sein! Außerdem kann ihm doch nichts passieren hat er sich doch von Herrn Kuka gegen eine Flasche Wodka ganz entscheidende Tipps geholt. So ausgerüstet, kann ihm nichts mehr passieren. Eigentlich wollte er zwar nach Deutschland, doch in Deutschland, so hatte Herr Kuka ihm erklärt, wären die Polen nicht gerne gesehen. Österreich, Wien das wäre der rechte Platz für ihn. Der Bus, mit dem Waldemar auf Anraten Herrn Kukas reist, entpuppt sich als umgedrehter Kühlschrank; alle anderen Fahrgäste, merkt er, schmuggeln wie wild. Nur er nicht. Trotzdem geht es an der Grenze beinahe schief, weil der Zöllner ihm nicht glauben will, dass er nicht als Tourist einreisen will. Doch in Wien angelangt, merkt er schnell: Herrn Kukas Empfehlungen sind höchst zweifelhaft. Der Tipp mit dem billigen Hotelzimmer im Hotel Vier Jahreszeiten entpuppt sich als Parkbank im Belvedere; und dass ein Lippizaner keine Süßspeise ist, muss er auch erst lernen. Nach einer Woche als Tourist fängt er an, sich Arbeit zu suchen; und merkt bald, dass seine Bemühungen häufig an einem abschließenden Blick auf seine Füße scheitern. Als ob seine Schuhe wirklich soo schlimm wären! Also: Arbeiterstrich. Hier begegnet er auch den anderen Fahrgästen aus dem Bus wieder; und, oh Wunder, es taucht ein Landsmann auf, der ihnen Arbeit gibt. Schöne Sache, ein Schwimmbad ausgraben. Für die Spaten müssen sie allerdings schon mal Kaution hinterlegen, und als sie endlich fertig sind, taucht nicht etwa der Auftraggeber auf.... |
Der Autor: Radek Knapp wurde 1964 in Warschau geboren. Seit 1976 lebt er in Wien, wo er Philosophie studierte und sich als Tennislehrer, Saunaaufgießer und Würstchenverkäufer über Wasser hielt. 1994 erschien sein Erzählband "Franio", für den er den "aspekte"-Literaturpreis erhielt. Weitere Titel: Franio |
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| Meine Meinung: -> Hier gehts zur 2. Rezension über dieses Buch! |
Mit leichter Hand hat Radek Knapp hier einen
Roman über Polen, Deutsche und Österreicher
geschrieben, der auf augenzwinkernde Weise mit den
Klischees spielt. Was Waldemar passiert, könnte ihm in Wien tatsächlich so und nicht anders geschehen sein. Schön auch zu sehen, wie Waldemar Stück für Stück seine Naivität verliert, und trotzdem nicht zum abgebrühten Zyniker wird. Er ist ein Mensch mit einem Glücksschatten, erklärt ihm einer; das sind Leute, die immer Glück im Unglück haben. Und das beweist er auch: der Polizei am Arbeiterstrich entgeht er ebenso durch Zufall, wie sich der Überfall auf die Wocheneinnahmen des Spielzeuggeschäfts als halb so schlimm erweist. Am Ende hat er einige Freunde dazugewonnen, einige Illusionen verloren - und vieles erlebt, das er zu Hause erzählen kann. |
Deine Meinung | ||||
| Leseprobe: (Zitat 1. Seite) |
Vor
dem Stephansdom gab es eine Menge Touristen, die sehr an
dem Bauwerk interessiert waren. Ich war der einzige, der
sich nicht soviel daraus machte. Als ich hineinging, war
ich zwar von der ganzen heiligen Inneneinrichtung
beeindruckt, aber im Grunde fühlte ich mich wie ein
Arbeiter, der an seine Drehbank zurückkehrt. Als
ehemaliger Ministrant erwachte in mir auch diese
Abneigung gegenüber ehemaligen Arbeitsplätzen. Unterwegs zum Altar, wo es mich instinktiv hinzog, betrachtete ich lediglich ein bißchen die Tafeln an den Mauern, die man zu Ehren berühmter Männer angebracht hatte. Diese Tafeln waren nichts Neues, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie viele berühmte Leute auf der Welt schon gestorben sind, ohne daß man je einmal ein Wort von ihnen gehört hat. Als ich zum Altar kam, ging ich einmal um ihn herum und betrachtete ihn fachmännisch. Er hatte einen sehr soliden Sockel. Kein Mensch weiß, wie wichtig der Sockel am Altar ist. Und dieser hier war der beste, den ich jemals gesehen hatte. Überhaupt war alles an ihm westliche Qualität. Ich glaubte zwar nicht, daß es für Gott einen großen Unterschied machte, aber mein alter Pfarrer hätte so einen Sockel gerne gesehen. Er war überhaupt ein Materialist erster Güte. Die paar Monate, wo ich ihm während der Messe die Hostien hinterhertrug, lernte ich wirklich ein paar interessante Dinge. Er glaube zum Beispiel überhaupt nicht an das Leben nach dem tod. Er sagte, er hätte schon so vielen Arschlöchern die Letzte Ölung gegeben, daß die Vorstellung, sie könnten nach dem Tod weiterleben, ihm den Schlaf raubt.. |
© Daniela Ecker