Originaltitel:
Roman. Kiepenheuer & Witsch 2011
182 Seiten, ISBN: 346204284X

Es regnet Scheiße vom Himmel. Damit beginnt der Roman von Angelika Klüssendorf über ein junges Mädchen, das versucht, einen Platz in der Welt zu finden, der ihr nicht zugestanden wird. In der Eingangsszene ist sie seit Tagen mit ihrem kleinen Bruder in der Wohnung eingesperrt; eine Toilette gibt es in der Wohnung nicht, die ist auf dem Halbstock. Es haben sich also ordentlich Fäkalien angesammelt in einem Eimer, dessen Inhalt sie nun zum Zeitvertreib auf die nichtsahnenden Passanten verteilt. Es ist eine Szene, die in vieler Hinsicht bezeichnend ist für das, was noch kommt.
Dieses Mädchen wächst ohne Liebe auf. Das Beste, was ihr passieren kann, ist Gleichgültigkeit. Die Mutter wie auch der nur sporadisch auftauchende Vater quälen das Mädchen seelisch und körperlich; Einsperren im Kohlekeller war - trotz der dort vorkommenden Ratten - schon beinahe eine Wohltat, weil es ihr die Möglichkeit gab, sich in ferne Welten zu träumen.
Es ist ihre Phantasie, ihre Fähigkeit, Kraft aus den kleinen Dingen des Alltags zu ziehen, die dieses Mädchen trotz allem stark und unzerstört aus dieser Kindheit hervorgehen lässt. In weitem Zusammenhang ist es auch die Geschichte der Autorin selbst, viele der beschriebenen Stationen gibt es auch in ihrem eigenen Leben - aber ein autobiographischer Roman ist es dennoch nicht.
Die erzählte Geschichte umspannt etwa 10 Jahre, einzelne Abschnitte werden intensiv beleuchtet, der Rest bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Es ist eine ausgesprochen klare und präzise Sprache, derer die Autorin sich bedient; auch brutale Szenen werden nicht melodramatisch untermalt, die Autorin verlässt sich darauf, dass ihre Worte auch ohne Effekthascherei die Wucht des Erlebten weitertragen.
Auch wenn dieser sehr kurze und knappe Stil mir persönlich nicht so sehr entgegenkommt, weil ich mich bei den Figuren meiner Bücher gern ein klein wenig länger aufhalte, so ist der Autorin doch ein eindrucksvolles Buch gelungen.
Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie in Berlin. Sie veröffentlichte unter anderem die Erzählungen "Sehnsüchte" und "Anfall von Glück", den Roman "Alle leben so", den Erzählungsband "Aus allen Himmeln" und zuletzt den Erzählungsband "Amateure".
Daniel Glattauer - Ewig Dein
Mit Mitte dreißig hat Frau schon die eine oder andere Beziehung hinter sich und so manche Illusion verloren. Der Traum vom Prinz auf dem weißen Pferd, der seine Prinzessin auf Händen trägt, wird meist als erstes gegen ein realistischeres Bild eingetauscht. Kein Wunder, dass Judith es kaum glauben kann, als der Mann, den sie im Supermarkt kennen gelernt hat, auf einmal genau damit anfängt: sie auf Händen zu tragen. Jeden Wunsch erfüllt er ihr, noch bevor sie ihn selbst denken konnte - und wird ihr damit immer unheimlicher. Bald fühlt sie sich erdrückt von so viel Aufmerksamkeit und wünscht sich ihre Freiheit zurück. Doch die ist nicht so einfach zu haben… netter Ansatz, aber für mich nicht überzeugend [..MEHR..]
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