Yasmina Khadra - Herbst der Chimären

Originaltitel: L´Automne des chimères
Krimi. Volk & Welt 2002
135 Seiten, ISBN: 3293202403

Von den Medien weitgehend unbeachtet befindet sich Algerien im Zustand eines Bürgerkriegs. Willkür und Zensur bestimmen den Alltag; auch Kommissar Llob hat aus diesem Grund (wie auch sein Schöpfer) seine Romane unter einem Pseudonym erscheinen lassen.

Nun wird er dafür zur Verantwortung gezogen, wird vom Dienst suspendiert. Wem kann er noch trauen? Seine Wohnung ist auf den Kopf gestellt, seine Freunde verheimlichen ihm etwas, arbeiten zum Teil gegen ihn, müssen sich selbst schützen. Ohnehin kein großer Menschenfreund, bestärkt das Llob noch in seinem Einsiedlertum.

Er hat sich nicht viele Freunde gemacht in den letzten Jahren; nun, da er keinerlei Schutz mehr genießt, sehen seine Feinde ihre Stunde gekommen.

Da wird ihm das Angebot gemacht, zurückzukehren, die Suspendierung aufzuheben. Es wird nicht viel verlangt - er soll sich nur von den Inhalten seiner Romane distanzieren...

"Herbst der Chimären" ist der dritte Teil einer Reihe; zu meinem großen Leidwesen kannte ich die beiden vorangehenden Bände nicht, was die Lektüre deutlich beeinträchtigt. Einen Krimi sollte der Leser bei diesem Buch nicht wirklich erwarten; es ging Khadra vielmehr darum, die Situation in Algerien zu schildern, den machtlosen Kampf der Intellektuellen. Wer die Chance nutzen will, von einem Kenner zum Nachdenken angeregt zu werden, ist mit dieser Reihe gut bedient.

Yasmina Khadra

Yasima Khadra ist das Pseudonym von Mohammed Moulessehoul. Der 1955 geborene Autor war bis vor kurzem hoher Offizier der algerischen Armee. Wegen der strengen Zensurbestimmungen erschienen seine Kriminalromane mit Kommissar Llob unter Pseudonym. Erst nachdem er im Dezember 2000 mit seiner Familie ins Exil nach Frankreich gegangen war, konnte er das Geheimnis um seine Identität lüften.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©11.04.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing