Marian Keyes - Sushi für Anfänger

Originaltitel: Sushi for Beginners
ChickLit. Heyne Verlag 2001
607 Seiten, ISBN: 3453212045

Als Lisa zur Geschäftsleitung gerufen wird, jubelt sie innerlich. Das kann nur eines bedeuten: man wird sie versetzen, sie wird nach New York gehen! Und versetzt wird sie auch wirklich, allerdings nicht nach New York, sondern nach Dublin. Ausgerechnet Dublin! Nichts von einer Weltstadt, kein Sprung nach vorne in ihrer Karriere; kein Hahn würde danach krähen, ob in Dublin irgendeine Frauenzeitschrift neu herausgebracht würde.

Aber Lisa ist ehrgeizig. Ihre einzige Chance, diese Zwangsversetzung zu ihren Gunsten zu nutzen, ist, einen echten Erfolg zu landen. Ihre Mitarbeiterinnen haben bei ihr nichts zu lachen; vor allem die ruhige Ashling nicht, die weder beim Chic noch bei der Schlagfertigkeit mit ihr mithalten kann. Sie ist einfach zu nett, diese Ashling, und hat immer Pflaster, Aspirin und ähnliche Kleinigkeiten dabei. "Miss Fix-it" ist dann auch der Spitzname, den ihr der Boss, Jack, verpasst hat.

Aber trotz der vielen Arbeit gibt es ja nicht nur den Beruf; Lisa merkt nach ihrem Umzug nach Dublin, dass sie wirklich einsam ist. In London war ihr Terminkalender immer brechend voll, konnte sie überall auftauchen, da fiel die Trennung von ihrem Mann Oliver nicht ganz so schmerzlich aus. Aber nun, wo sie nicht einmal die Gelegenheit hat, am Wochenende zu arbeiten, spürt sie den Verlust doppelt. Nun wimmelt es in Dublin nicht unbedingt von Männern, die ihren Ansprüchen genügen - nur Jack könnte einen passenden Begleiter abgeben. Dass Jack eine Freundin hat, stört ihre Überlegungen nicht wirklich.

Ashling hat seit der Trennung von ihrem Freund noch nicht wieder Fuß gefasst im Flirtgeschäft; wenn sie unterwegs ist, dann hauptsächlich mit ihren Nachbarn und Freunden - oder sie besucht ihre beste Freundin Clodagh, die sie immer auch ein wenig beneidet, hat sie doch genau das, was Ashling sich auch erträumt hatte: Einen gutaussehenden, aufmerksamen Mann, der verrückt nach ihr ist, zwei Kinder, ein Haus, Geld genug, um sich beim Ausgeben keine Gedanken machen zu müssen; eigentlich also jeder Anlass, um glücklich zu sein. Aber Clodagh ist nicht glücklich. Die Kinder zehren an ihren Nerven, ihr fehlt ein eigenes Leben, und die sexuellen Annährungen ihres Mannes beschränkt sie auf ein Minimum.

Aber mit dem neuen Job wächst auch Ashlings Selbstvertrauen, und auch wenn es einigen Hin und Hers bedarf, auf einmal ist sie mit einem der aufstrebendsten Komiker Dublins zusammen...

Beziehungen, Trennungen, Freundschaften, Berufsalltag - das ganz normale Leben also ist es, was Marian Keyes uns hier wirklich wunderbar schildert. Sehr schnell fängt man an, Partei zu ergreifen, sich mit Ashling gegen Lisas Ungerechtigkeiten zu ereifern, und dann wieder die Leere zu fühlen, die auch Lisa regelmäßig ergreift. Und wenn man das Buch dann aus der Hand legt, hat man das Gefühl, sich von liebgewonnenen Freunden zu verabschieden, die man zwischendurch auch schon mal ganz und gar nicht leiden konnte.

Die große Stärke dieser Autorin sind die Dialoge; was hier an Spitzen im Büroalltag ausgetauscht wird kann sich wirklich sehen lassen und hat mich sehr häufig zum lauten Lachen verführt. Es sind keine Superfrauen, die man hier trifft; zwar glänzt Lisa durch überdurchschnittliches Aussehen und Intelligenz, doch auch ihre Macken werden sehr schnell deutlich.

Ich habe mich großartig unterhalten, habe viele Szenen gelesen, die unglaublich gut beobachtet waren. Das Buch ist vielschichtig, witzig, traurig und auch romantisch; ja, ich kann es guten Gewissens weiterempfehlen - man verbringt ein paar schöne Stunden in dieser Gesellschaft.

Marian Keyes

Geboren in Limerick, Irland, wuchs als ältestes von fünf Geschwistern auf, ist trockene Alkoholikerin und verarbeitet das in ihren Büchern. Seit 1997 lebt sie mit ihrem Mann in Dublin

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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