Nora Okja Keller - Die Trostfrau

Originaltitel: Comfort Woman
Roman. Diana Verlag 1997
281 Seiten, ISBN: 3453150198

Rebecca wächst als Tochter einer Koreanerin und eines Amerikaners in Hawaii auf - dorthin hatte es ihre Mutter nach dem Tod des Ehemanns verschlagen. Es ist keine einfache Kindheit für sie - immer wieder passiert es, daß ihre Mutter sich geistig von ihr verabschiedet, in Trance fällt, wirr herumtanzt. In diesem Zustand muß sie immer besonders wachsam sein, darf ihre Mutter nicht aus dem Haus lassen.

Tante Reno, die Chefin ihrer Mutter, hatte dann eines Tages entdeckt, daß diese während ihrer Trancezustände sehr klarsichtig wäre, Kontakt mit den Toten aufnehmen könnte. Und sie beginnt, dieses Talent zu vermarkten. Damit bestreiten sie einen Teil ihres Lebensunterhalts.

Doch erst, als ihre Mutter tot ist, entdeckt Rebecca, was diese ihr all die Jahre verborgen hatte - sie hatte während des Krieges zu den Trostfrauen gehört, die die japanischen Besatzungsmächte in die Lager verschleppt und mißbraucht hatten.

Nur durch ein Wunder, einen unglaublich starken Willen, war es ihr gelungen, zu überleben.

Abwechselnd erzählen hier Mutter und Tochter - die Tochter von ihrem Unverständnis, was mit der Mutter passiert. Sie wächst einerseits zu Hause mit den traditionellen koreanischen Riten auf - und lebt dennoch voll und ganz in der westlichen Gesellschaft.

Die Mutter hingegen ist schon als Kind durch die Hölle gegangen - und ihre Liebe zu ihrer Tochter ist größer, als diese es sich je vorstellen kann.

Immer wieder erlebt man auch sehr komische Elemente in diesem Buch, wenn Ost und West aneinanderprallen; der Hintergrund, der erzählt wird, ist sehr traurig.

Und manchmal wurde mir der Geisterglaube und die Gespräche mit der Geburtsgroßmutter etc. doch etwas zu viel - aber alles in allem: wem die Bücher von Amy Tan gefallen haben, dem wird die Trostfrau bestimmt auch gefallen.

Nora Okja Keller

Nora Okja Keller, Jahrgang 1966, wuchs auf der Insel Hawaii auf und studierte in Kalifornien Literaturwissenschaften. Neben Essays zum Thema Asien-Americans verfaßte sie auch zahlreiche Kurzgeschichten, deren eine Erzählung, Mother-Tongue mit dem Pushkart Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit Mann und Tochter auf Hawaii.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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