Originaltitel: Sembazuru
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1956
109 Seiten, ISBN: 3423110805

Ein junger Mann wird von der früheren Geliebten seines Vaters zu einer Teezeremonie eingeladen. Er war auch zuvor regelmäßig eingeladen worden, diesen Aufforderungen jedoch nach dem Tod seines Vaters nicht mehr gefolgt.
Diesmal jedoch wurde er speziell gebeten zu erscheinen - man möchte ihm eine junge Dame vorstellen.
Bei dieser Zeremonie ist jedoch nicht nur besagte junge Dame anwesend - ganz überraschend trifft er auch auf eine weitere Geliebte seines Vaters, die Nachfolgerin der ersten, der er bis zu seinem Tod sehr verbunden blieb. Eine peinliche Begegnung für den jungen Mann - zumal ihm diese Frau an diesem Abend noch auflauert.
Überraschenderweise merkt er, was seinen Vater so sehr zu dieser Frau hingezogen hatte. Eine ganz besondere Verbindung entsteht zwischen den beiden - und ihrer Tochter.
Eine Entwicklung, die ganz und gar nicht in die Pläne der lange schon verabschiedeten Frau passt - und die sie auch weitgehendst zu vereiteln sucht...
Meine Meinung ist recht zwiespältig. Einerseits handelt es sich bei den "Tausend Kranichen" um ein Buch mit wunderschöner, poetischer Sprache, liebevoll-detailliert geschilderte Szenen, die anmutig und geschmeidig miteinander verknüpft werden.
Leider verstehe ich aber zu wenig von den Zeremonien und Gebräuchen in Japan; vieles, was ich hier gelesen habe, mutet mich absolut fremd an.
Es erscheint mir zum Beispiel kaum vorstellbar, dass die Geliebte meines Vaters sich - und das nach dem Tod meiner Eltern - so massiv in mein Leben einmischen könnte.
Man spürt an diesem Text aber auch bereits, dass es ein Japan im Umbruch ist; der junge Mann weiß zwar noch um die Zeremonien, kennt aber die Regeln nicht mehr, die es zu befolgen gilt, kennt auch die Bedeutungen der unzähligen Nuancen nicht mehr.
Es war für mich eine schöne Erfahrung, diesen Roman zu lesen - aber dennoch denke ich, mich zukünftig stärker an der zeitgenössischen japanischen Literatur zu orientieren.
Yasunari Kawabata wurde am 11. Juni 1899 als Sohn eines Arztes in Osaka geboren. 1917 - 1924 studierte er in Tokio Anglistik und japanische Literatur. Seine zahlreichen Romane und Erzählungen schildern häufig autobiographisch Begründetes. 1968 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Kawabata starb am 16. April 1972 in Zushi bei Yokohama durch Selbstmord.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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