Originaltitel: --
Roman. Diogenes 2003
382 Seiten, ISBN: 3257063350
Geboren war Hasan in Berlin, nach der Grundschule aber mit seiner Mutter wieder zurück nach Istanbul, um dort die deutsche Schule zu besuchen. So wollten seine Eltern sicherstellen, dass der Berliner Einfluss auf ihn nicht zu stark würde, dass er mit türkischen Werten aufwuchs - doch es war schon zu spät. In Deutschland war er der Kanacke, in Istanbul der Almanci; sein Vater blieb in Berlin, um das Reisebüro zu betreiben, das er mit einem Freund aufgebaut hatte, und pendelte zwischen den beiden Städten hin und her.
Dann, eines Tages im November, der Vater war gerade in Istanbul, befürchtete Hasan schon, dass seine Eltern einen Herzanfall gehabt hätten, den erstickten Lauten zufolge, die sie vor dem Fernseher von sich gaben: die Mauer war gefallen, und auch für Hasan gab es nun kein Halten mehr, er musste nach Berlin, konnte nicht ausgerechnet jetzt in Istanbul bleiben.
Dass sein Sohn plötzlich in Berlin bleiben wollte, war dem Vater gar nicht recht; und bald schon sollte Hasan auch herausfinden, warum: all die Jahre, die er hin und her gependelt war, hatte der Vater eine zweite Familie gehabt. Sicher hinter der Mauer verstaut, gab es keine Gefahr, dass sie sich begegnen würden - bis jetzt. Eine Ehe in Gefahr, ein Reisebüro, in dem Bananen verkauft werden, und dazu Hasans Versuch, in dieser Welt jetzt Fuß zu fassen, seine Chancen am Filmset zu nutzen, wohin der Zufall ihn verschlagen hatte und die Überraschungen, die diese Umbruchszeit noch für Hasans Familie bereithalten sollte, füllen den Rest des Buches.
Da ich in Berlin lebe, mich natürlich für diese Stadt und die Geschichte, die es birgt, interessiere, war ich auch neugierig auf dieses Buch, vor allem, weil es aus türkischer Perspektive geschrieben war. Und die Passagen, die einfach nur beschreiben, was in der Stadt vor sich ging, welche Umbrüche stattfanden, waren auch großteils wirklich interessant. Aber die Autorin hat es für mich nicht geschafft, ihre Protagonisten lebendig werden zu lassen; ein Fehler vielleicht auch, dass sie sich ausgerechnet eine männliche Figur als Ich-Erzähler ausgewählt hat. Ein Buch, das ich eigentlich nur denen empfehlen kann, die sehr starkes Interesse am Hintergrund der Geschichte haben, die eigentlich erzählte Story hat mich nicht überzeugt.
Yadé Kara, geboren 1965 in Cayirli (Türkei), studierte Anglistik und Germanistik. Sie arbeitete als Schauspielerin, Lehrerin, Managerin und Journalistin in Berlin, London, Istanbul und Hongkong. Zur Zeit lebt sie in Berlin.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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