Erich Kästner - Fabian. Geschichte eines Moralisten

Originaltitel: Fabian. Geschichte eines Moralisten
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1931
246 Seiten, ISBN: 3423110066

"Wenn es eine Gärtnerei gäbe, wie ich sie mir erträume! Ich brächte dich, an Händen und Füßen gefesselt, hin und ließe dir ein Lebensziel einpflanzen!" meint Labude ernsthaft bekümmert zu seinem Freund.

Diesem, Jakob Fabian, 32, Germanist, derzeit beschäftigt als Werbetexter für eine Zigarettenfabrik, fehlt ein Lebensziel ganz und gar. Nach Geld oder Macht strebt er nicht, an die Liebe glaubt er nicht, an die Vernunft der Mitmenschen noch viel weniger, und an eine Zukunft schon gar nicht.

Es war noch nicht lange her, da war die Zukunft ungewiss genug - man war eingezogen worden und kämpfte an der Front. Nun war die Zukunft wieder ungewiss; die Arbeit konnte jeden Tag verlustig gehen, Sitte und Moral waren auf den Kopf gestellt, Gaunereien, Prostitution, Betrug an der Tagesordnung. Woran sollte man hier noch glauben?

Ausgerechnet in einer üblen Spelunke lernt Fabian dann Cornelia kennen - und entdeckt, dass es doch Liebe gibt, dass es sich plötzlich lohnt, zu arbeiten, dass es vielleicht etwas aufzubauen gilt.

Doch kaum schätzt er seine Arbeit als Broterwerb - verliert er sie. Und damit auch… die Liebe…

Dass Kästner Kinderbücher schreiben kann, ist wohl jedem von uns bekannt. Wer ist nicht mit Emil, Pünktchen und Anton, dem doppelten Lottchen aufgewachsen!

Dass Erich Kästner auch für Erwachsene geschrieben hat, ist vergleichsweise wenig bekannt. Dabei hat er gerade mit "Fabian" eine bitterböse, rabenschwarze Satire geschrieben, die noch 70 Jahre später Zündstoff birgt.

Einem Menschen immer dann, wenn er den Wert einer Sache erkennt, diese wieder zu entziehen "du wolltest es früher doch auch nicht haben" - das ist es, was hier passiert.

"Freedom is just another word for nothing left to loose" sang Janice Joplin vor etwas mehr als 20 Jahren. Fabian wusste das schon früher…

Erich Kästner

Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, studierte nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. 1925 Promotion. Neben schriftstellerischer Tätigkeit Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen. Während der Nazizeit Publikationsverbot. Von 1945 bis zu seinem Tode am 29. Juli 1974 lebte Kästner in München und war dort ua. Feuilletonchef der "Neuen Zeitung". Zum 100. Geburtstag

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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