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Am 23. Februar 1999
wäre Erich Kästner 100 Jahre alt geworden.
Er wurde in Dresden geboren und studierte nach dem Ersten
Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie, worin
er 1925 promovierte.
1927 übersiedelte er nach Berlin.
Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war er
Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen
Zeitungen.
Während der Nazizeit hatte er Publikationsverbot, blieb
jedoch in Deutschland.
Von 1945 bis zu seinem Tode lebte Kästner in München
und war dort unter anderem Feuilletonchef der "Neuen
Zeitung" und Mitarbeiter der Kabarett-Ensembles
"Die Schaubude" und "Die kleine
Freiheit". Er starb am 29. Juli 1974.
Als Autor von Kinderbüchern ist er bestimmt jedem von
uns bekannt; wer kennt nicht
Das doppelte
Lottchen
Emil und die Detektive
Das fliegende Klassenzimmer
Pünktchen und Anton...
Doch er war auch ein Schriftsteller für Erwachsene -
viele seiner Romane wurden auch verflimt.
Drei Männer im
Schnee
Der kleine Grenzverkehr
Notabene
Die Schule der Diktatoren
Kurz und bündig
Die kleine Freiheit
Die verschwundene Miniatur
Fabian
Gesang zwischen den Stühlen
Ein Mann gibt Auskunft
Lärm im Spiegel
Herz auf Taille
Ich habe
ihn für mich wiederentdeckt, nachdem ich in einem Roman,
"Hausmann entlaufen" von Doris Jannausch, die
"Sachliche Romanze" entdeckt habe.
Deswegen folgen hier noch einige meiner Lieblingsgedichte
von Erich Kästner. Entnommen sind sie alle aus
Dr. Erich Kästners
lyrische Hausapotheke
- ein Buch, das meiner Meinung nach in keinem
Bücherschrank fehlen sollte. Wann welches Gedicht zur
"Anwendung" kommen sollte, beschreibt er
anstelle eines Inhaltsverzeichnisses....
Sachliche
Romanze
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre LIebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. -
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
Er weiß
nicht, ob er sie liebt
Soll man sein Herz bestürmen: "Herz, sprich
lauter!"
da es auf einmal leise mit uns spricht?
Einst sprach es laut zu uns. Das klang vertrauter.
Nun flüstert´s nur. Und man versteht es nicht.
Was will das Herz? Man denk: wenn es das wüßte,
dann wär es laut, damit man es versteht.
Dann riefe es, bis man ihm folgen müßte!
Was will das Herz, daß es so leise geht?
Das Allerschönste, was sich Kinder wünschen,
das wagt sich kaum aus ihrem Mund hervor.
Das Allerschönste, was sich Kinder wünschen,
das flüstern sie der Mutter bloß ins Ohr.
Ist so das Herz, daß es sich schämt zu rufen?
Will es das Schönste haben? Ruft es Nein?
Man soll den Mächten, die das Herz erschufen,
nicht dankbar sein.
Traurigkeit,
die jeder kennt
Man weiß von vornherein, wie es verläuft.
Vor morgen früh wird man bestimmt nicht munter.
und wenn man sich auch noch so sehr besäuft,
die Bitterkeit, die spült man nicht hinunter.
Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund.
Und man ist angefüllt mit nichts als Leere.
Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund.
es ist, als ob die Seele unwohl wäre.
Man will allein sein. Und auch wieder nicht.
man hebt die Hand und möchte sich verprügeln.
Vorm Spiegel denkt man: "Das ist dein Gesicht?"
Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln!
Vielleicht hat man sich das gemüt verrenkt?
Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen.
Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt.
Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen.
Man möchte fort und findet kein Versteck.
Es wäre denn, man ließe sich begraben.
wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck.
Man möchte tot sein. Oder Urlaub haben.
Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben.
Sie schwand noch jedesmal, so oft sie kam.
Mal ist man unten, und mal ist man oben.
Die Seelen werden immer wieder zahm.
Der eine nickt und sagt "So ist das Leben."
Der andre schüttelt seinen Kopf und weint.
Die Welt ist rund, und wir sind schland daneben.
Ist das ein Trost? So war es nicht gemeint.
Mut zur Trauer
Sei traurig, wenn du traurig bist,
und steh nicht stets vor deiner Seele Posten!
Den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist,
wird´s schon nicht kosten.
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