Peter Stephan Jungk - Tigor

Originaltitel: Tigor
Roman. S. Fischer Verlag 1991
287 Seiten, ISBN: 3596116457

Eines Tages taucht in einem kleinen Dorf in Italien ein verwahrloster Mann um die 40 auf, der völlig entkräftet ist, und sich über Melonenreste hermacht. Erst von der Polizei aufgegriffen, wird er dann freigelassen, holt seine im Hosenboden eingenähten Geldreserven hervor und ißt sich erst mal satt.

Mathematikprofessor ist er, und bei einem Kongreß in Triest, seiner Geburtstadt weggelaufen, weil er plötzlich erkennen mußte, daß sein Lebenswerk, die Erforschung der Schneeflockenkonstante, von falschen Voraussetzungen ausging.

Erst will er sich in den Wäldern durchschlagen, möchte sehen, ob ein Mensch ohne Hilfsmittel in der Wildnis überleben kann, in einem "Pflanzenzimmer" - doch dabei scheitert er.

Nach der Episode mit der Polizei läßt er sich einen neuen Paß ausstellen (er unterrichtet an einer Universität in USA) und fährt zu seinem Onkel nach Paris. Dort arbeitet er, unentgeltlich, im Theater am Schnürboden, wo er sich schon als Kind so gerne aufgehalten hatte. Er setzt sich auch mit seinem Lieblingsstudenten in Verbindung, um ihn wissen zu lassen, er wäre noch am Leben - und verspricht, spätestens zu Beginn des nächsten Semesters wieder an der Uni zu sein.

Bei einer Herzattacke erlebt er einen eigenartigen Traum - als er diesen seinem Arzt erzählt, meint der, er hätte vom Berg Ararat geträumt. Da Tigor sich ohnehin treiben läßt, reist er nun in die Heimat des Arztes, nach Armenien. Dort wird er schon von zwei Brüdern in Beschlag genommen, die auf der Suche nach den Überresten der biblischen Arche Noah sind, die am Berg Ararat gestrandet ist. Er wäre der Auserwählte, der für sie diese Reste suchen soll, denn ihnen ist es verboten, diesen Berg zu besteigen.

Zwar weigert Tigor sich, bleibt aber dennoch in der Stadt, unterrichtet (wieder unentgeltlich) die Kinder in Englisch und Mathematik. Doch er fühlt sich völlig willenlosö, wie an Kabeln gezogen - und so bricht er auf, um den Berg zu besteigen.... Erst dachte ich ja: na gut, das Buch war geschenkt - macht nichts, lege ich es eben wieder weg - ich konnte gar nix damit anfangen.

Aber dann haben mich die Geschichten, die Tigor erzählt, doch gefangen genommen.

Es war zwar kein Buch zum Entspannen, eigentlich empfand ich es als relativ anstrengend zu lesen, weil ich mich ständig konzentrieren mußte, aber aufhören konnte ich auch nicht mehr.

Und ein paar wirklich gute Szenen kommen gegen Ende des Buches; als in diesem Städchen in Armenien ein amerikanischer Astronaut auftaucht, der auch auf der Suche nach der Arche ist, und dann erzählt, er würde diese Überreste sammeln, genauso wie er auch den Turm zu Babel noch finden würde, und dann in Amerika einen Vergnügungspark, ein "Bible-Land" aufbauen..

Aber die Figur des Tigor ist mir trotz allem nie richtig nahe gekommen.

Peter Stephan Jungk

Peter Stephan Jungk wurde 1952 in Stanta Monica / Kalifornien geboren. Er wuschs in Wien und Berlin auf und studierte von 1974 abis 1976 am American Film Institute in Los Angeles. Seit über 10 Jahren veröffentlicht er Essays und literarische Porträts unter anderem im Frankfurter Allgemeinen Magazin und lebt heute als freie Schriftsteller in Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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